In weiter Ferne, so nah!
Tschechische und slowakische Kinolandschaften
Die Kinematografien Tschechiens und der Slowakei gehören zu den prägenden Filmkulturen Europas. Gleichwohl sind sie im deutschsprachigen Raum erstaunlich wenig bekannt. Von Berlin aus betrachtet liegen sie nahe und wirken doch in ihrer ästhetischen Vielfalt, den abgelagerten historischen Erfahrungen und mentalitätsgeschichtlichen Prägungen weit entfernt. Die von Ralph Eue, Brigitte Mayr und Michael Omasta kuratierte Reihe In weiter Ferne, so nah! nimmt diese Spannung zum Ausgangspunkt und kartografiert überwiegend unbekanntes Gelände neu.
Die im Zeughauskino und Kino Krokodil stattfindende Reihe versammelt bis zum Jahresende in insgesamt acht Programmen zentrale Strömungen, Motive und Bruchlinien des tschechischen und slowakischen Kinos – von der ersten tschechoslowakischen Republik bis in die Gegenwart. Im Fokus steht dabei weniger die Absicht, einen neuen Kanon zu etablieren als vielmehr solche Arbeiten zu favorisieren, die durch ihr ausgeprägtes ästhetisches Bewusstsein hervorstechen und sich so eignen, ein komplexeres Verständnis für die Verortung von Film und Kino in einer gegebenen politischen und gesellschaftlichen Sphäre zu befördern.
Die ausgewählten Filme nehmen politische Umbrüche, Alltagserfahrungen und kollektive Imaginationen ihrer Zeit auf. Sie gleichen Echos und sind nicht selten voller Widersprüche und Ambivalenzen. So tut sich ein filmischer Horizont auf, vor dem die produktive Spannung zwischen Nähe und Ferne immer wieder neu in den Blick gerät und bislang übersehene Zusammenhänge zwischen Filmen und Ländern, Themen und Stilen, Epochen und Schulen sichtbar werden. So versammelt Freu dich nicht zu spät!, das erste Programm der Retrospektive, tschechische und slowakische Komödien, während Durch verwundete Zeiten Spuren der Geschichte folgt.
Die Realisierung der Filmschau, die von einer im Oktober im Verlag SYNEMA (Wien) erscheinenden Publikation begleitet wird, wurde durch den Hauptstadtkulturfonds und Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds ermöglicht. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Národní filmový archiv (Prag) und dem Slovenský filmový ústav (Bratislava). Besonderer Dank gilt zudem Linda Söffker und Michael Pekler, dem Tschechischen Zentrum Berlin und dem Slowakischen Institut in Berlin.
Ralph Eue, Brigitte Mayr, Michael Omasta

























