Freitag, 04. September 2026, 20.00 Uhr
Daleká cesta
Distant Journey

Anhand einer auf drei Ebenen miteinander verwobenen Dramaturgie wird das Schicksal der Prager Familie Kaufmann erzählt, das sich im Protektorat Böhmen und Mähren vor dem düsteren Hintergrund antisemitischer Gesetze sowie erster Bescheide für Transporte in die Konzentrationslager ereignet. Tochter Hana, eine junge jüdische Ärztin, ist durch die Heirat mit ihrem „arischen“ Kollegen Tonik zwar vorerst vor einer Deportation geschützt, ihre Eltern und ihr kleiner Bruder aber werden ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt.
Den fiktionalen Szenen rund um den erschütternden „Weiten Weg“ des Titels, der sich noch bis Auschwitz fortsetzt, ist die unerbittliche Realität im Ghetto und Lager gegenübergestellt, als eine abgeschottete, beinahe absurde Welt mit entwürdigenden Lebensbedingungen. Hier bestimmt der verzweifelte Kampf ums Überleben den Alltag. Zudem wird die Schilderung der Einzelschicksale mit dokumentarischen Einschüben verknüpft, von Archivaufnahmen, über Wochenschau-Material bis hin zu zeitgenössischen Propagandafilmen. Dieses beeindruckende Experiment der Montage, das in Radoks bestechender Ästhetik zum Ausdruck kommt, gilt als einer der frühesten und formal gewagtesten filmischen Versuche, sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. (bm)
Daleká cesta
R: Alfréd Radok, B: Mojmír Drvota, Erik Kolár, Alfréd Radok, K: Josef Střecha, Jaromir Holpuch, D: Blanka Waleská, Otomar Krejča, Viktor Očásek, Zdeňka Baldová, Eduard Kohout, Anna Vaňková, Jiří Plachý, 103'
Napříč Dalekou cestou
R: Jiří Anger, Jiří Žák, 13'