
Im ersten Studienjahr an der 1966 neu gegründeten Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) stellte Akademiedirektor Erwin Leiser den Studierenden seiner Regiegruppe die Aufgabe, einen Dokumentarfilm über die am 12. März 1967 stattfindende Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus zu drehen. Fertiggestellt wurden nur Thomas Hartwigs Der Kandidat über den jungen rechtskonservativen CDU-Kandidaten Jürgen Wohlrabe und Der Wahlhelfer über den ehrenamtlichen Unterstützer eines aussichtslosen FDP-Kandidaten, ein Film von Harun Faroqhi, dessen Dreharbeiten Irena Vrkljan wiederum in ihrem Film Faroqhi dreht dokumentierte. Es handelt sich um drei außergewöhnliche zeithistorische Dokumente über West-Berlin und seine spezifischen Milieus, zwischen Hinterhöfen, kaputten Straßen und verrauchten Eckkneipen. Nicht minder interessant sind die Recherchefotos aus dem Weddinger Brunnenviertel, die Thomas Mitscherlich für sein unrealisiert gebliebenes Projekt „Die Wahl an einem Beispiel“ angefertigt hat. Im Rahmen des Einführungsvortrags wird Mitscherlichs Vorhaben ebenfalls vorgestellt. Anlässlich des 60. Jahrestags der DFFB-Gründung sind im Vorprogramm – erstmals in einem Kino – drei auf 8mm gedrehte Dokumentarfilme zu sehen, die im Mai 1966 im Zuge der Aufnahmeprüfung für die DFFB entstanden. (fl)
Frederik Lang ist Filmhistoriker, Kurator und Vorstandmitglied von CineGraph Babelsberg.
Der Kandidat
R/K: Thomas Hartwig, 15′
Der Wahlhelfer
R: Harun Faroqhi [Farocki], K: Thomas Hartwig, 7′
Faroqhi dreht
R: Irena Vrkljan, K: Jan Thilo Haux, 12′
Aufnahmeprüfungsfilme für die DFFB
von Wolfgang Petersen, Günter Peter Straschek und Max Willutzki, Gesamtlänge 20′