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Einführung: Jan Gympel
Eintritt frei

In seinem aufsehenerregenden ersten Dokumentarfilm Nachrede auf Klara Heydebreck, zu sehen im Begleitprogramm der Stiftung Deutsche Kinemathekhatte Fechner das Leben einer Durchschnittsberlinerin noch posthum nachgezeichnet. Daraufhin ermöglichte ihm der NDR, mit Klassenphoto die erste der für ihn so typischen Arbeiten zu schaffen, in denen Menschen aus ihrem Leben erzählen und aus der von Fechner verbal nicht kommentierten Montage ihrer Aussagen das Bild einer Zeit entsteht. Ausgangspunkt war das 1933 entstandene Foto einer Klasse des Lessing-Gymnasiums im proletarisch geprägten Berliner Wedding. Die mit großem Rechercheaufwand aufgespürten Ex-Schüler, durchweg Männer, und einige Lehrer berichteten von ihren Erlebnissen damals und später. Erst im Laufe der Arbeit an dem Film erfuhr Fechner von einem jüdischen Mitschüler, der auf dem Bild nicht zufällig fehlte und den er in New York aufsuchte. Die Interviewausschnitte ergänzte Fechner ausschließlich mit persönlichen Erinnerungsstücken der Befragten. Der erste Teil des Films erlebte seine Erstausstrahlung an einem Sonntag um 20.15 Uhr im ARD-Gemeinschaftsprogramm, der zweite, ebenfalls abendfüllende Teil folgte zwei Tage später um 21 Uhr. Für Klassenphoto, der als ungewöhnlich lebendig und authentisch wirkende Darstellung von Zeitgeschichte gelobt wurde, erhielt Eberhard Fechner 1972 den Adolf-Grimme-Preis in Silber. (gym)

Jan Gympel ist Autor, Filmhistoriker und Kurator der in der Stiftung Deutsche Kinemathek ausgerichteten Reihe Aus dem Fernseharchiv.

Klassenphoto – Erinnerungen deutscher Bürger