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Einführung: Stephan Malinowski

Im November und Dezember 1944 weigern sich westafrikanische Soldaten der tirailleurs, das heißt französische Kolonialtruppen aus verschiedenen Ländern der Subsahara, das Militärlager in Thiaroye bei Dakar zu verlassen. Sie protestieren gegen Ungleichbehandlung und fordern den Sold, der ihnen für ihre Einsätze im Kampf gegen die Nazis zusteht. Die französische Militärführung reagiert mit brutaler Gewalt. 

Camp de Thiaroye, Ousmane Sembènes und Thierno Faty Sows Auseinandersetzung mit dem historischen Massaker, balanciert geschickt zwischen einer genauen Darstellung der Ereignisse und der Evokation einer panafrikanischen Erfahrung, für die die Rückkehr aus deutschen Kriegsgefangenenlagern eine Rückkehr in den nach wie vor bestehenden Kolonialrassismus bedeutete. Dabei wurde Thierno Faty Sows Mitwirkung an dem Film durch eine Erzählung seines Vaters motiviert, den man 1944 nach einem kolonialkritischen Artikel als Postinspekteur entließ. Sembène wiederum hatte in seinem Vorgängerfilm Emitaï ein Massaker thematisiert, das französische Truppen 1943 in dem senegalischen Dorf Effok in der Region Casamance verübt hatten. In Sembènes Filmographie sind Emitaï und Camp de Thiaroye also auch Teil einer Traditionslinie, die das Vichy-Frankreich mit dem Frankreich der Nachkriegszeit verbindet. (ft)

Stephan Malinowski, Professor emeritus an der University of Edinburgh, ist Historiker der Neuzeit und Kurator der Ausstellung Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt.

Camp de Thiaroye