Direkt zum Seiteninhalt springen

Diesem Alpenepos ist nichts heilig. Walter Bockmayers Verfilmung von Wilhelmine von Hillerns Heimatroman Die Geier-Wally (1873) gleicht einem Schlusspunkt der rustikalen Heimat(-Film)-Entweihung, die mit den Lederhosenfilmen der deutsch-österreichischen Sexfilmwelle in den 1970er Jahren einsetzte: ein Film, der weniger auf die im traditionellen Heimatfilm unbefriedigt bleibenden Fleischesgelüste abzielt als auf eine über die Strenge schlagende Burleske, wie sie alpinen Softsexfilmen wie Drei Schwedinnen in Oberbayern (1977) bereits eigen war. 

Dabei behält Bockmayers Version – sieht man von einigen Abwandlungen ab – die wesentlichen Ingredienzien der Vorlage bei. Stilistisch hingegen herrscht komplette Unorthodoxie: schrill, derb, ein rheinländisch umgemodeltes Bayern – Lederhosen-Bodybuilder, Cross-Dressing, Soundtrack-Eskapaden, Karnevalskalauer, Do-It-Yourself-Ästhetik. 

„Womit haben wir das verdient?“, fragt Hans G. Pflaum in der Süddeutschen Zeitung 1988 – und liefert die Antwort gleich mit: „Man braucht nur den Kitsch zu hören und zu sehen, mit dem sich Bayern den Touristen anbiedert (…) und [kriegt jetzt] das Echo präsentiert, und es kommt aus Nordrhein-Westfalen.“ (ts)

Die Geierwally