
In einem Haus dicht an der deutsch-deutschen Grenze lebt Schroth, der dumpfe Bierfahrer, wegen seiner massigen Erscheinung Eisenhans genannt (Gerhard Olschewski). Er lebt hier mit seiner Frau, für die er keine Liebe übrighat, und mit seiner geistig eingeschränkten Tochter Marga (Susanne Lothar), die er zu lieben behauptet, aber körperlich bedrängt. Mit Marga schließt er sich im Häuschen ein, wagt mit ihr einen Tanz im Bierzelt, ignoriert Spott und Verdacht der anderen.
Eisenhans ist ein Film der Körper und Träume. Die Körper sind wuchtig, gebrechlich, gefährdet. Die Träume bahnen sich ihren Weg durch die triste Realität der Provinz. Sie zeigen uns Engel im verwunschenen Wald, auch fremde Welten im Fernsehen, plötzlich in Farbe. Der Bühnenautor Tankred Dorst, der mit Eisenhans eines der ungewöhnlichsten Kinodebüts der 1980er Jahre schuf, verstand sein Werk als „böses Märchen“. Bei den Gebrüdern Grimm ist der Eisenhans ein Wunderwesen, dem Unrecht widerfährt, hier jedoch ein Täter, ein Außenseiter, ein verzweifelter Riese. „Eisenhans hat 1983 in der Quinzaine in Cannes Premiere gefeiert, sowohl Gerhard Olschewski als auch Susanne Lothar haben für ihre Darstellung den deutschen Filmpreis gewonnen, aber der Film hat nie die Sichtbarkeit erreicht, die ihm zusteht (…) – ein großes Versäumnis, denn die verwunschenen Bilder und Erfindungen des Films fehlen dem Gedächtnis des deutschen Kinos. (Christoph Hochhäusler) (ts)
Christoph Hochhäusler ist Filmemacher und Ko-Herausgeber der Filmzeitschrift Revolver.
Eisenhans
- BRD 1983
- 35mm
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R/B: Tankred Dorst, K: Jürgen Jürges, D: Gerhard Olschewski, Susanne Lothar, Hannelore Hoger, Michael Habeck, Hans-Michael Rehberg, Angelika Milster, Irm Hermann, 110'