Samstag, 28. November 2026, 20.30 Uhr
John Glückstadt

Norddeutschland, Mitte des 19. Jahrhunderts. Schauwertarme Landstriche, ärmliche Verhältnisse, Auswanderertraum Amerika. John Hansen (Dieter Laser) kehrt nach Jahren im Zuchthaus Glückstadt in sein Heimatstädtchen in Schleswig-Holstein zurück. Vergeblich versucht er, sein altes Leben abzuschütteln. Ausgrenzung und Anfeindung sind das, was er von der Heimat bekommt. Trieb ihn damals die Armut zu einer geächteten Tat, so greift er nun zu Mitteln, die ihn an den Abgrund führen.
Mit John Glückstadt verfilmte Ulf Miehe in stimmungsreichem Schwarzweiß Theodor Storms Novelle Ein Doppelgänger (1887), die er, wie für das westdeutsche Autorenkino der politisierten 1970er Jahre typisch, zu einem sozialkritischen Historien- und Heimatfilmdrama zuspitzte. Mit seinem Drehbuch für den westernhaften „Anti-Heimatfilm“ Jaider – Der einsame Jäger (1971) und seinen zeitgleich erschienenen Romanen, die den Hardboiled-Krimi in die Bundesrepublik überführten, wirkte Miehe bei der Erneuerung des Genrekinos mit. John Glückstadt steht dabei neben Jaider und Reinhard Hauffs Räuberballade Mathias Kneißl (1971) auch für eine Revision historischer Heimatstoffe: Nicht mehr Wilderer und Straftäter werden zur Rechenschaft gezogen, sondern die ungerechte Gesellschaft selbst. (ts)
John Glückstadt
R/B: Ulf Miehe, K: Jürgen Jürges, D: Dieter Laser, Marie-Christine Barrault, Johannes Schaaf, Dan von Husen, Tilo Prückner, 93'