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Jan Gympel
Eintritt frei

Nachkommenschaften

Weniger mit eigenen Werken als mit Adalbert Stifters später Künstlerkrisenerzählung Nachkommenschaften reist der Schriftsteller Bruno Schweizer durch die Provinz und steckt dabei selbst in einer Schaffens- wie Lebenskrise: Die immergleichen Rituale rund um seine Lesungen frustrieren ihn ebenso wie sein meist weibliches Publikum, das zuweilen sehr zudringlich wird, oder immer wieder beklagte Kleinigkeiten wie schlechter Kaffee. Auch seine Liebes- und Lebensbeziehungen befriedigen ihn nicht. – Indem Gabriele Wohmann ihren teils sanft satirischen Blick auf einen Bereich des Literaturbetriebs an einer männlichen Hauptfigur festmachte, vermied sie, dass diese mit ihr identifiziert wurde. Dennoch musste sie sich gegen die Vermutung wehren, hier eigene Erlebnisse zu schildern. Die Kritik beklagte häufig, dass der Inhalt des Films kalt ließe und durch eine ambitionierte Fotografie zu Kunstgewerbe gerönne: „Der Film ist so schön, daß man vergißt, ihn ernst zu nehmen, die Kamera schwelgt symbolisch und in satten Tönen, indes der Hauptdarsteller, der von einer Identitätskrise gebeutelte Schriftsteller in der Figur des Ralf Schermuly, bedeutsamen Leerlauf produziert.“ (Regina Rostow, Die Welt, 5.5.1977). (gym)

 

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