Perspektiven und Positionen. Interview mit Stefanie Middendorf über den Vergleich von Kolonialismus und Nationalsozialismus
9. Oktober 2026
7 Min.Umstrittene Verwandtschaft
9. Oktober 2026 8 Min.
Seit den 1930er Jahren werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen kolonialer Gewalt und nationalsozialistischer Herrschaft diskutiert. Diese Debatten setzen sich bis in die Gegenwart fort. Geführt in Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften, prägen sie politische Auseinandersetzungen, Medien, Kunst und Erinnerungskulturen. Dabei stehen Fragen nach Kontinuitäten, Brüchen und Vergleichbarkeit im Mittelpunkt.
Die Interviews mit internationalen Wissenschaftler*innen im Rahmen der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“ stellen verschiedene Perspektiven und Positionen in der Auseinandersetzung vor. Historiker Edward Kissi, University of South Florida, spricht im Videointerview über seine Sicht auf den Vergleich:
„Ich argumentiere immer damit, dass die Gleichsetzung von Kolonialismus und Nationalsozialismus eine Kontinuität voraussetzt, die ahistorisch ist, da die Vergangenheit nicht notwendigerweise geradlinig in die Gegenwart hinein verläuft. Eine bestimmte Epoche transportiert nicht die gleichen Ideen und Praktiken in eine andere Epoche, insbesondere, wenn man unterschiedliche Regionen und Umstände als Faktoren berücksichtigt.”
Dr. Stephan Malinowski ist Kurator der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt” am Deutschen Historischen Museum.
Edward Kissi ist Historiker an der University of South Florida.