Perspektiven und Positionen. Interview mit Edward Kissi über den Vergleich von Kolonialismus und Nationalsozialismus
9. Oktober 2026
8 Min.Umstrittene Verwandtschaft
9. Oktober 2026 6 Min.
Seit den 1930er Jahren werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen kolonialer Gewalt und nationalsozialistischer Herrschaft diskutiert. Diese Debatten setzen sich bis in die Gegenwart fort. Geführt in Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften, prägen sie politische Auseinandersetzungen, Medien, Kunst und Erinnerungskulturen. Dabei stehen Fragen nach Kontinuitäten, Brüchen und Vergleichbarkeit im Mittelpunkt.
Die Interviews mit internationalen Wissenschaftler*innen im Rahmen der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“ stellen verschiedene Perspektiven und Positionen in der Auseinandersetzung vor. Historikerin Leslie James, Queen Mary University of London, spricht im Videointerview über Kolonialfaschismus:
„Die Invasion Italiens [in Abessinien] im Oktober 1935 wurde schließlich der erste Beweis dafür, dass Faschismus und Kolonialismus wirklich Hand in Hand gehen. Die Parallelen [zwischen Faschismus und Kolonialismus], die gezogen wurden, bezogen sich nicht nur auf den italienischen Faschismus, sondern insbesondere auch auf Nazi-Deutschland. Der Vergleich von Nationalsozialismus [und Kolonialismus] hob insbesondere ab auf die Rassentrennung in beiden Ländern, Bücherverbote, die Eingriffe in die Meinungsfreiheit, die Gerüchte über Massensterilisierungen, sowie auf den Einsatz von Milizen und Polizeigewalt, um Arbeiterstreiks zu unterdrücken.”
Dr. Stephan Malinowski ist Kurator der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt” am Deutschen Historischen Museum.
Leslie James ist Historikerin an der Queen Mary University of London.