Perspektiven und Positionen. Interview mit Martin Thomas zur Frage, ob eine Verwandtschaft zwischen kolonialer und nationalsozialistischer Gewalt besteht

9. Oktober 2026 8 Min.

Seit den 1930er Jahren werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen kolonialer Gewalt und nationalsozialistischer Herrschaft diskutiert. Diese Debatten setzen sich bis in die Gegenwart fort. Geführt in Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften, prägen sie politische Auseinandersetzungen, Medien, Kunst und Erinnerungskulturen. Dabei stehen Fragen nach Kontinuitäten, Brüchen und Vergleichbarkeit im Mittelpunkt. 

Die Interviews mit internationalen Wissenschaftler*innen im Rahmen der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“ stellen verschiedene Perspektiven und Positionen in der Auseinandersetzung vor. Historiker Martin Thomas, University of Exeter, spricht im Videointerview zur Frage, ob eine Verwandtschaft zwischen kolonialer und nationalsozialistischer Gewalt besteht: 

„Ich denke, dass die Antwort gleichzeitig ‚ja’ und ‚nein’ lautet. Sie lautet ‚ja’, weil die Holocaust Studies sehr oft von der Annahme ausgingen, dass die Einzigartigkeit des Holocaust im staatlich getragenen, ideologiegetriebenen Rassenhass liegt, der bewusst auf die Vernichtung einer bestimmten ethnoreligiösen Gruppe aus ist. In gewissem Sinne unterstützen diese beiden Aspekte die Lesart, den Holocaust als singulär zu betrachten, denn die Intention hinter dem Völkermord der Nationalsozialisten ist sehr offen erkennbar. Doch wenn man den Fokus der Debatte verschiebt, weg von der Intention hin zum Resultat, dann müssen wir uns auch einigen sehr unangenehmen Fragen stellen, denn andere Formen des Kolonialismus, oder, wenn man so will, andere Formen fremder Besatzung brachten ebenfalls einen außergewöhnlich hohen Grad an Massentötungen mit sich.”

Portrait Martin Thomas
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Gesprächspartner*innen

Portrait Stephan Malinowski
Stephan Malinowski

Dr. Stephan Malinowski ist Kurator der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt” am Deutschen Historischen Museum.

Martin Thomas

Martin Thomas ist Historiker an der University of Exeter.

Quellen und Nachweise

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