Perspektiven und Positionen. Interview mit Edward Kissi über den Vergleich von Kolonialismus und Nationalsozialismus
9. Oktober 2026
8 Min.Umstrittene Verwandtschaft
9. Oktober 2026 6 Min.
Seit den 1930er Jahren werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen kolonialer Gewalt und nationalsozialistischer Herrschaft diskutiert. Diese Debatten setzen sich bis in die Gegenwart fort. Geführt in Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften, prägen sie politische Auseinandersetzungen, Medien, Kunst und Erinnerungskulturen. Dabei stehen Fragen nach Kontinuitäten, Brüchen und Vergleichbarkeit im Mittelpunkt.
Die Interviews mit internationalen Wissenschaftler*innen im Rahmen der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“ stellen verschiedene Perspektiven und Positionen in der Auseinandersetzung vor. Historiker Mark Roseman, Indiana University in Bloomington, spricht im Videointerview über Rassismus und Antisemitismus:
„Die Idee eines Qualitätsunterschieds von Menschen und die Überzeugung, dass es eine Art weiße Zivilisation gibt, die bedroht ist durch Minderwertige, die als Eindringlinge betrachtet werden und den Wert einer anderen Rasse mindern könnten, ist etwas, das den Rassismus gegen Schwarze und den Antisemitismus verbindet. […] Dennoch würde ich Unterschiede machen wollen – jedoch nicht bezüglich der Frage, welche Gruppe mehr leidet. Eine Sache, die meines Erachtens den Antisemitismus der Zwischenkriegszeit zutiefst kennzeichnet – einer Zeit, in der es eine bemerkenswerte weltweite Panik vor den Juden gab, schon seit dem Ersten Weltkrieg, aber insbesondere im Zuge der Russischen Revolution und dem Zerfall der kontinentalen Imperien am Ende des Krieges – ist der Umstand, dass Juden als Teil einer globalen Verschwörung gedacht wurden.”
Dr. Stephan Malinowski ist Kurator der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt” am Deutschen Historischen Museum.
Mark Roseman ist Historiker an der Indiana University in Bloomington.