Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt
5. November 2026
6 Min.Umstrittene Verwandtschaft
9. Oktober 2026 5 Min.
Seit den 1930er Jahren werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen kolonialer Gewalt und nationalsozialistischer Herrschaft diskutiert. Diese Debatten setzen sich bis in die Gegenwart fort. Geführt in Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften, prägen sie politische Auseinandersetzungen, Medien, Kunst und Erinnerungskulturen. Dabei stehen Fragen nach Kontinuitäten, Brüchen und Vergleichbarkeit im Mittelpunkt.
Die Interviews mit internationalen Wissenschaftler*innen im Rahmen der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“ stellen verschiedene Perspektiven und Positionen in der Auseinandersetzung vor. Historiker Sebastian Conrad, Freie Universität Berlin, spricht im Videointerview über seine Sicht auf den Vergleich:
„Ich glaube, erst einmal ist es hilfreich und wichtig, sich zu fragen, warum dieser Vergleich überhaupt diskutiert oder so politisiert oder umstritten ist. Das liegt nicht am Gegenstand selber, sondern es liegt an der Art und Weise, wie diese Gegenstände, Holocaust und Kolonialismus, erinnerungspolitisch mobilisiert werden. Also mit der Art und Weise, wie der Holocaust vor allem im deutschen Kontext Teil der Selbstverständigung der Bundesrepublik geworden ist, und andererseits der Art und Weise, wie Kolonialismus in den letzten Jahren aufgeladen und als Instrument auch der Selbstverständigung von Ländern im globalen Süden und darüber hinaus verwendet wurde.”
Dr. Stephan Malinowski ist Kurator der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt” am Deutschen Historischen Museum.
Sebastian Conrad ist Historiker an der Freien Universität Berlin.