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Packende Geschichten, Mystisches und Sonderbares, Automaten, Schreckgestalten und skurrile Fantasiegeschöpfe treffen auf Heilige und Sünder. Wer das Fantastische liebt, kommt an E.T.A. Hoffmann (1776–1822) nicht vorbei. Er war Schriftsteller, Komponist, Kapellmeister, Zeichner und Jurist in einer Person. Die wunderlich-grotesken Welten und skurrilen Figurenschöpfungen des Romantikers bilden eine wahre Schatzkammer für den Film: Hier trifft Grusel auf Krimi, Fantastik auf Komödie und Oper auf Tanz. Seit die Bilder laufen lernten, sind Filmschaffende von seinen bildmächtigen Geschichten und grotesken Charakteren magisch angezogen.

E.T.A. Hoffmanns Todestag jährt sich am 25. Juni 2022 zum 200. Mal. Ein guter Grund, um sich auf Spurensuche nach dem Hoffmannesken durch über 100 Jahre lebendige Filmgeschichte zu begeben. Die Bandbreite der Verfilmungen zeigt die vielen Möglichkeiten auf, sich seinem Werk filmisch zu nähern und es in Szene zu setzen.

„Hoffmanns Persönlichkeit, seine phantastischen Schriften schreien förmlich nach der Verfilmung“, schrieb 1916 Der Kinematograph. Während sich einige Adaptionen eng an die Vorlagen halten, verfahren andere freier mit seinen Stoffen und übernehmen nur einzelne Charaktere und Motive. Das komische Potential, das Hoffmanns Gestalten innewohnt, erkennt etwa Ernst Lubitsch, der in Die Puppe (1919) die Titelrolle mit der kecken Ossi Oswalda besetzt. Unverkennbar hoffmannsche Figuren wie die Puppenfrau Olympia, die heute wie ein Vorausgriff auf den künstlichen Menschen wirkt, oder abgründige Charaktere wie Coppelius aus der Erzählung Der Sandmann regen Filmschaffende zu vielfältigen Neuinterpretationen an.

Besonders die Stummfilme Der Student von Prag (1913) und Max Neufelds Hoffmanns Erzählungen (1923) begeistern sich für einzelne hoffmannsche Motive wie die magische Brille, die Zaubergeige oder für den unheimlichen Doppelgänger. Mit den neuen technischen und ästhetischen Möglichkeiten konnte der Film schon früh diese Illusionen einem staunenden Publikum glaubhaft vor Augen führen. Von ihrer Faszination haben diese Filme bis heute nichts verloren.

Doch auch ein Anti-Held wie der verbrecherische Goldschmied Cardillac weckt das Interesse der Filmschaffenden. So wandelt sich dieser vom krankhaft-besessenen Juwelenhändler in Juwelen (1930) zum komplexen Charakter in Eugen Yorks Das Fräulein von Scuderi (1955) und dient als in den Wahn getriebene Künstlerpersönlichkeit in Edgar Reitz‘ Cardillac (1969) als Identifikationsfigur für die 68er-Bewegung. Gerade die Filmversionen, die nach ein und demselben Stoff entstehen, laden uns heute zur vergleichenden Lektüre ein. So kommt 1973 Ralf Kirstens Die Elixiere des Teufels als Gemeinschaftsproduktion zwischen der DDR und der Tschechoslowakei in die Kinos, die bundesdeutsche Antwort legte Manfred Purzer 1976 vor: Ost und West konkurrieren um die ,gelungenere‘ Literaturverfilmung.

Die Filmreihe mit Gästen lädt zu einer Reise durch Hoffmanns fantastische Welten ein und führt von bildstarken Stummfilmen, die Musiker*innen live zu neuem Leben erwecken, in die Zeit der deutschen Teilung bis hin zur Nachwendezeit.

Hoffmannesk. Auf den Spuren E.T.A. Hoffmanns im Film ist eine Zusammenarbeit mit dem Team des E.T.A. Hoffmann Portal der Staatsbibliothek zu Berlin und wird von Anett Werner-Burgmann kuratiert.