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Gemeinhin wird die Screwball-Komödie mit rasanten Dialogen und physischem Slapstick, mit exzentrischen Nebenfiguren, absurden Zufällen sowie der spielerischen Umkehr von Geschlechter- und Klassendynamiken verbunden. Die Filmreihe Screwball – Die Kunst des Konflikts, eine Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen ihres Jahresthemas „Konflikte lösen!“, versteht den Screwball zugleich als filmische Konfliktlösungsmaschine, in der Konflikte nicht auf ein Ziel hin zugespitzt, sondern fortwährend erzeugt, verschoben, transformiert und neu verteilt werden.

„Konflikte lösen!“ beschäftigt sich mit historischen wie gegenwärtigen Formen und Praktiken der Konfliktlösung. Es fragt danach, wie Konflikte in Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft verhandelt werden, welche Strategien zu ihrer Lösung entwickelt wurden und wie unterschiedliche Medien in den Dienst genommen werden, um Konflikte produktiv zu reflektieren. Als Teil des öffentlichen Programms des Jahresthemas nimmt die Filmreihe ein komödiantisches Genre in den Blick, das in den frühen 1930er Jahren während der Großen Depression in den USA entstand und zu einer der prägendsten Erzählformen des klassischen Hollywoodkinos wurde.

Während etwa die Romantic Comedy vergleichsweise geradlinig von der ersten Begegnung zweier Figuren auf ein harmonisches Happy End zusteuert, zieht der Screwball seine Energie aus allem, was dazwischenliegt. Missverständnisse und Machtspiele, peinliche Eklats und irrwitzige Enthüllungen, falsche Identitäten und soziale Maskeraden sind nicht bloß Hindernisse auf dem Weg zur Versöhnung, sondern dasjenige, was der filmischen Welt erst Leben einhaucht. Der Konflikt wird nicht sorgsam aufgebaut, um dann überwunden zu werden, sondern exzessiv verausgabt – bis er sich erschöpft, zerstreut oder verwandelt.

Gerade darin eröffnet die Screwball-Komödie einen anderen Blick auf Konfliktlösung. Mal rückt der zentrale Konflikt in den Hintergrund oder wird zeitweise vergessen, mal löst er sich auf, weil die Ausgangslage grundlegend neu betrachtet wird, mal findet er zu einer vorläufigen Ruhe. Lösungen erscheinen nicht als endgültige Behauptungen eines Gelingens, sondern als provisorische Arrangements. Entsprechend enden viele Screwball-Filme nicht mit der großen Geste der Versöhnung, sondern mit einem augenzwinkernden Happy End, das sich seiner eigenen Behelfsmäßigkeit bewusst ist.

„Konflikte lösen!“. Nicht zuletzt nimmt die Screwball-Komödie das Ausrufezeichen im Titel des Jahresthemas ernst. Der Konflikt ist im Screwball nicht in erster Linie ein großes Fragezeichen – das eine Problem, das überwunden werden muss –, sondern eine Kaskade von Ausrufezeichen: permanenter Anstoß zum Sprechen, zum Handeln, zum Weitermachen. 

Die von Till Kadritzke kuratierte Reihe Screwball – Die Kunst des Konflikts versammelt vier klassische Screwball-Komödien der 1930er und 1940er Jahre sowie ein Update aus den 1970er Jahren. In ihrem unterschiedlichen Umgang mit Konflikten verschieben die Filme den Blick vom Ergebnis auf den Prozess – und zeigen, dass „Konflikte lösen“ auch heißen kann, Konflikte anders zu denken. (Till Kadritzke)