Perspektiven und Positionen. Interview mit Edward Kissi über den Vergleich von Kolonialismus und Nationalsozialismus
9. Oktober 2026
8 Min.Umstrittene Verwandtschaft
9. Oktober 2026 7 Min.
Seit den 1930er Jahren werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen kolonialer Gewalt und nationalsozialistischer Herrschaft diskutiert. Diese Debatten setzen sich bis in die Gegenwart fort. Geführt in Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften, prägen sie politische Auseinandersetzungen, Medien, Kunst und Erinnerungskulturen. Dabei stehen Fragen nach Kontinuitäten, Brüchen und Vergleichbarkeit im Mittelpunkt.
Die Interviews mit internationalen Wissenschaftler*innen im Rahmen der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“ stellen verschiedene Perspektiven und Positionen in der Auseinandersetzung vor. Historiker Ulrich Herbert, Universität Freiburg, spricht im Videointerview über Zwangsarbeit:
„Zunächst muss man sagen, dass man die gesamte Problematik der Ermordung der europäischen Juden von dem Begriff Zwangsarbeit separieren müsste. Zwangsarbeit war ein Aspekt der Verfolgungs- und Vernichtungspolitik der Nazis gegenüber den Juden, aber ein nachgeordneter. Das Ziel der Nationalsozialisten gegenüber den Juden bestand darin, die Juden umzubringen, sie zu vernichten, und zwar komplett, jedenfalls soweit es Europa anging.”
Dr. Stephan Malinowski ist Kurator der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt” am Deutschen Historischen Museum.
Ulrich Herbert ist Historiker an der Universität Freiburg.