Film im Kontext: Menschen am Sonntag
Es gibt Filme, die scheinen vom Himmel gefallen zu sein, so ungewöhnlich, ohne Beispiel und Referenz sind sie. Ein frischer Wind ist mit einem Mal zu verspüren, ein neues Lebensgefühl, eine andere Geisteshaltung. Ein solcher Film ist der 1929 teils in der Stadt, vor allem aber am Wannsee entstandene Berlin-Film Menschen am Sonntag. Vier junge Menschen verabreden sich zu einem Ausflug und verbringen den Sonntag am Wasser. Eine alltägliche Geschichte, getragen von Lebenslust, Zuneigung und Frohsinn, erzählt in locker aneinandergereihten Episoden: Baden im See, im Sand liegen, Musik hören, sich näherkommen. Dazwischen dokumentarische Aufnahmen vom Strandbad. Die Kamera erfasst Details, Gesichter, Gesten. Vor dem Objektiv agieren statt professioneller Schauspieler*innen oder gar Stars Laien: Menschen, die „nach dem Film wieder ihren Berufen nachgehen“.
Menschen am Sonntag ist nicht nur vom sommerlichen Lebensgefühl einer Gruppe gewöhnlicher Berliner*innen fasziniert, der Film selbst ist das Ergebnis einer Kollektivarbeit überwiegend junger und unerfahrener Filmliebhaber. Gemeinsam gelingt ihnen etwas Unerhörtes, noch nicht Gesehenes. Die Filmwissenschaftlerin Heike Klapdor hat Menschen am Sonntag jüngst eine erhellende Filmlektüre gewidmet. Kenntnisreich legt ihr Buch Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer: MENSCHEN AM SONNTAG (München: edition text + kritik 2025) die verschiedenen kulturellen Bezüge und Traditionen der filmischen Gestaltung und Erzählung offen – und erinnert uns en passant daran, dass auch dieser Film mitnichten vom Himmel fiel.
Klapdors Buch, das wir am 12. April 2026 vorstellen, ist Ausgangspunkt der Reihe Film im Kontext: Menschen am Sonntag. In deren Fokus stehen die werkbiografischen Zusammenhänge, die sich mit Blick auf die anderen Arbeiten der verschiedenen am Film beteiligten Künstler ergeben. Wo haben sie damals ähnliche Projekte verfolgt, wo später an ihre Arbeit für Menschen am Sonntag angeknüpft? Welche filmhistorischen Fäden lassen sich ausgehend von Menschen am Sonntag ziehen? Filmgeschichte als die Geschichte eines Films und seines Nachlebens.








