Freiheit auf Papier: Die deutsche Erstausgabe der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten

3. Juli 2026 Lesedauer 2 Min.

Am 4. Juli 2026 jährt sich zum 250. Mal der Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika. Aus diesem gewichtigen Anlass berichtete die New York Times kürzlich über ein Schlüsselobjekt der Sammlungen des Deutschen Historischen Museums: den deutschsprachigen Erstdruck der am 4. Juli 1776 von den Gründungsvätern der Vereinigten Staaten von Amerika verabschiedeten Unabhängigkeitserklärung, aktuell zu sehen in der Wechselausstellung „Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung”.

Im Jahr 1993 war der Ankauf dieses unscheinbaren Blattes für das Projekt eines Deutschen Historischen Museums von hoher Symbolkraft, konnte er doch als Bekenntnis des wiedervereinten Deutschlands zu den Werten der westlichen Demokratien gelesen werden.

Die Loslösung der 13 nordamerikanischen Kolonien vom britischen Mutterland war stark von naturrechtlichen Ideen der europäischen Aufklärung beeinflusst, wonach alle Menschen von Natur aus frei, gleich und mit denselben angeborenen Rechten ausgestattet seien. Zu diesen gehörte von Anbeginn auch das universelle Recht auf Migration. Einwanderer aus Deutschland und der Schweiz hatten an der Verbreitung aufklärerischen Schriftguts maßgeblichen Anteil. Im heutigen Bundesstaat Pennsylvania, der als besonders liberal galt, siedelten zahlreiche deutschstämmige Glaubensflüchtlinge. Früh entstand hier ein deutschsprachiges Druck- und Verlagswesen, das sich mit Verschärfung der Konflikte zwischen den Kolonien und Großbritannien zunehmend politisierte. In Philadelphia unterhielten die Druckereien von Henrich Miller sowie von Melchior Steiner und Carl Cist gute Kontakte zu den Delegierten des Kontinentalkongresses, darunter Thomas Jefferson. Anfang 1776 veröffentlichten Steiner & Cist Thomas Paines revolutionäres Pamphlet „Common Sense” unter dem Titel „Gesunde Vernunft”, im Juli dann den für die in Pennsylvania siedelnden Deutschstämmigen bestimmten Einblattdruck. Weltweit haben sich von diesem Druck nur zwei erhalten: der eine im Deutschen Historischen Museum, der andere in der Musselman Library im Gettysburg College, Gettysburg (PA).

Historisches Druckdokument auf vergilbtem Papier. Überschrift in Frakturschrift: „Im Congreß, den 4ten July, 1776. Eine Erklärung durch die Repräsentanten der Vereinigten Staaten von America, im General-Congreß versammlet.“ Darunter engbedruckter Fließtext in zwei Spalten, am unteren Rand Unterschriften, darunter „John Hancock, Präsident“. Das Papier zeigt deutliche Alterungsspuren mit leichter Bräunung und unregelmäßigen Rändern.

Erstdruck der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung in deutscher Sprache, Verfasser: Thomas Jefferson (1743–1826) et al., Übersetzer: Charles Cist (1738–1805), Philadelphia, 6.–8.7.1776, Papier, Druck, Berlin, DHM: Inv.-Nr. Do 93/101, Provenienz: Kunsthandel New York (USA), Ankauf 1993 aus Kunsthandel Zürich (CH) mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin

Dorlis Blume, Projektleiterin der Ausstellung „Objekte. Geschichte. Geschichten.“, über ihre besondere Beziehung zu diesem Objekt

Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika gehört zu meinen absoluten Lieblingsobjekten in der Sammlung des Deutschen Historischen Museums. Allein dieser eine Satz ruft bei mir regelmäßig eine Gänsehaut hervor: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, darunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit.” 

250 Jahre alt sind diese Worte und immer noch hochaktuell. Wenn ich dieses Dokument sehe, weiß ich warum und wofür meine Arbeit wichtig ist, denn die Verteidigung dieser Menschenrechte gehört zu den wichtigsten Aufgaben überhaupt, wie wir gerade in der heutigen Zeit immer wieder merken. 

Aus all diesen Gründen gehört die Unabhängigkeitserklärung in deutscher Sprache wohl auch zu den frühesten Objekten, die vom Gründungsdirektor Christoph Stölzl kurz nach der Wiedervereinigung, erworben wurden und zwar aus dem Schweizer Kunsthandel.

Unser hier ausgestelltes Exemplar ist in bemerkenswert gutem Zustand. Damit das so bleibt, zeigen wir es maximal drei Monate im Original, und auch nur bei einem Ausstellungslicht von 50 Lux, danach wird das Dokument gegen ein Faksimile ausgetauscht und muss wieder mindestens drei Jahre im dunklen Depot bleiben, um sich von der Lichteinstrahlung zu erholen.

Kurzentschlossene können das Original noch bis Anfang August 2026 in der aktuellen Ausstellung bewundern.

Eine Frau steht in einer Ausstellung und schaut sich ein Dokument in einer Vitrine an.

Die deutsche Ausgabe der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten ist in der Ausstellung „Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung” zu sehen © DHM/David von Becker

Die Autor*innen

Das Bild zeigt ein Kniestück von Dr. Wolfgang Cortjaens, Sammlungsleiter Angewandte Kunst und Grafik am Deutschen Historischen Museum
Wolfgang Cortjaens

Dr. Wolfgang Cortjaens ist Sammlungsleiter Angewandte Kunst und Grafik am Deutschen Historischen Museum.

Dorlis Blume

Dorlis Blume ist Leiterin des Fachbereichs Wechselausstellungen und Projekte am Deutschen Historischen Museum.

Quellen und Nachweise

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