Perspektiven und Positionen. Interview mit Edward Kissi über den Vergleich von Kolonialismus und Nationalsozialismus
9. Oktober 2026
8 Min.Umstrittene Verwandtschaft
9. Oktober 2026 6 Min.
Seit den 1930er Jahren werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen kolonialer Gewalt und nationalsozialistischer Herrschaft diskutiert. Diese Debatten setzen sich bis in die Gegenwart fort. Geführt in Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften, prägen sie politische Auseinandersetzungen, Medien, Kunst und Erinnerungskulturen. Dabei stehen Fragen nach Kontinuitäten, Brüchen und Vergleichbarkeit im Mittelpunkt.
Die Interviews mit internationalen Wissenschaftler*innen im Rahmen der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“ stellen verschiedene Perspektiven und Positionen in der Auseinandersetzung vor. Historikerin Michelle Moyd, Michigan State University, spricht im Videointerview über Kollaboration zwischen Zwang und Anpassung im Kolonialismus:
„Aus meiner Sicht muss man sich bewusst machen, unter welchem Druck die Menschen standen, insbesondere unter den Bedingungen einer militärischen Besatzung, innerhalb derer man zwar noch eigene Entscheidungen treffen konnte, sich die Handlungsspielräume aber immer weiter einengten. Wenn man also ein afrikanischer Dorfbewohner im Jahr 1892 war, die ‚Schutztruppe’ in deine Region kam und eine militärische und administrative Präsenz aufbaute, und von deinem Anführer bestimmte Dinge verlangte oder eine Allianz anbot und deren Regeln bestimmte – wie viel Entscheidungsspielraum blieb einem da noch?”
Dr. Stephan Malinowski ist Kurator der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt” am Deutschen Historischen Museum.
Michelle Moyd ist Historikerin an der Michigan State University.