Perspektiven und Positionen. Interview mit Edward Kissi über den Vergleich von Kolonialismus und Nationalsozialismus
9. Oktober 2026
8 Min.Umstrittene Verwandtschaft
9. Oktober 2026 8 Min.
Seit den 1930er Jahren werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen kolonialer Gewalt und nationalsozialistischer Herrschaft diskutiert. Diese Debatten setzen sich bis in die Gegenwart fort. Geführt in Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften, prägen sie politische Auseinandersetzungen, Medien, Kunst und Erinnerungskulturen. Dabei stehen Fragen nach Kontinuitäten, Brüchen und Vergleichbarkeit im Mittelpunkt.
Die Interviews mit internationalen Wissenschaftler*innen im Rahmen der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“ stellen verschiedene Perspektiven und Positionen in der Auseinandersetzung vor. Historikerin Natalya Vince, University College Oxford und an der University of Oxford, spricht im Videointerview über Widerstand im Kolonialismus:
„Antikolonialer Widerstand ist naturgemäß asymmetrisch. Es gibt den kolonialen Staat, der eine reguläre Armee, eine Polizei, einen Geheimdienst hat. In dem Zeitraum, den wir hier betrachten, sind all diese Institutionen von Männern dominiert. Normales Kriegsgeschehen wird also von Männern beherrscht – jedoch ist antikolonialer Widerstand kein ‚normaler’ Krieg. Antikoloniale Bewegungen verfügen über keine der genannten Einrichtungen. Darum nutzen sie Taktiken des urbanen und ländlichen Guerillakampfs, wodurch die Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten aufgelöst wird. Diese beiden Kategorien verschmelzen miteinander. Dadurch eröffnen sich Möglichkeiten für Frauen – zunächst einmal jene, am bewaffneten Kampf teilzunehmen und Gewaltakte zu begehen, sei es im ländlichen oder im urbanen Setting.”
Dr. Stephan Malinowski ist Kurator der Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt” am Deutschen Historischen Museum.
Natalya Vince ist Historikerin am University College Oxford und an der University of Oxford.