Veranstaltungsrückblick

2016 bis 2017 in Bildern

 

Mitgliederreise ins Baltikum

6. bis 9. September 2017

Zwei Länder in vier Tagen – das hatten wir uns vorgenommen und es geht - bei guter Planung und einer sorgfältigen Auswahl der Ziele. Der Museumsverein des DHM hatte sich für eine Reise „Auf deutschen Spuren“ durch das Baltikum entschieden und dabei die Städte Riga, Tartu und Tallin in Lettland und Estland ins Visier genommen. Zwanzig Mitglieder hatten sich angemeldet und dies erwies sich als eine ideale Größe. Jeder kam mit jedem ins Gespräch, die Namen waren nach kurzer Zeit präsent und das Durchzählen der Gruppe bei den Abfahrten dauerte nicht zu lange.
Am Mittwoch, den 3. September flogen wir morgens ab Tegel nach Riga, wo wir gegen Mittag gleich von unserem deutschsprechenden Guide, Frau Anda Spigule in Empfang genommen wurden. Eine kurze Busfahrt ins Stadtzentrum führte uns schon ein paar Besonderheiten der lettische Hauptstadt vor Augen: ganze Wohnviertel gebaut aus Holz. Frau Anda begann gleich mit ihren Erläuterungen und so erblickten wir schon einige bedeutende Bauwerke Rigas vom Bus aus.
Das Hotel lag sehr zentral. Zunächst nahmen wir einen kleinen Mittagssnack ein, um dann zum großen Stadtrundgang durch Riga zu starten. Frau Anda ist gebürtige Lettin und kannte sich sehr gut aus. Der erste Besuch galt einem der ältesten Häuser der Stadt, in dem Domus-Rigensis, das Deutschbaltisch-Lettische Zentrum, untergebracht ist. Das Zentrum hat sich der Kontaktpflege der Deutschbalten mit Ihrer ehemaligen Heimat verpflichtet. Wir besichtigten das Haus und bekam anschließend – bei Kaffee, Tee und lettischen Teigtaschen – eine erste Einführung in die Geschichte des Landes und speziell seine Beziehungen zu Deutschland. Die anschließende Stadtführung war informativ, aber leider viel zu kurz. Riga ist voller wunderschöner Bauwerke, deren Ursprung oft in der gemeinsamen Geschichte mit Deutschland liegt, was man an deutschsprachigen Beschriftungen und Namen erkennen kann. Besonders beeindruckend sind die vielen Jugendstilbauten. Gegen 18:30 Uhr kamen alle müde und durchgefroren ins Hotel. Die Temperatur war mit ca. 12 C° doch erheblich niedriger als wir es noch aus Berlin gewohnt waren. Das Abendessen fand im Hotel statt. Diese und alle folgenden Mahlzeiten waren dank der netten Gruppe sehr gesellig und unterhaltsam.
Am nächsten Morgen brachen wir in Riga gegen 8:00 Uhr mit dem Bus auf Richtung Tartu in Estland. Dazwischen lagen verschiedene Stationen: Zunächst besichtigten wir in Segulda die Ruine der Burg Segewold des Schwertbrüderordens (späterer Livländischer Ordenszweig des Deutschen Ordens). Dank eines Funk-Gruppenführungssystems konnte unserer Führerin die Geschichte erläutern und die Gruppe sich dabei in Ruhe umschauen. Anschließend besuchten wir das Gelände der Burgruine Turaida. Sie diente als livländisches Gegengewicht zur Burg der Schwertbrüder auf dem gegenüberliegenden Flussufer der Gauja. Hier gab es nicht nur eine sehenswerte Burgruine, sondern auch weitläufige Parks und Gärten, sodass die Besichtigung ein ausgedehnter Spaziergang wurde.
Weiter ging es nach Ungurmuiza, auf Deutsch: Orellen. Hierbei handelt es sich um ein barockes Gutshaus, von denen es im Baltikum eine große Zahl gibt. Die meisten von ihnen gehen auf deutsche Besitzer im 17. bis 19. Jahrhundert zurück. Das Besondere am Gut Orellen von 1732 ist, dass es sich um ein vollständig erhaltenes Holzhaus handelt. Es wartete ein örtlicher Guide auf uns, der uns die Geschichte des Hauses und somit die der Besitzer, die Familie Campenhausen, nahebrachte. Auch wenn die Einrichtung des Hauses nur noch sehr spärlich ist, so sind Haus und Gelände wunderschön, mit weitläufigen Wiesen und uralten Bäumen. Im Garten liegt ein Teehaus in dem unserer Gruppe Tee und Kuchen angeboten wurden. Da es weiterhin sehr kalt war, war dies eine willkommene Gelegenheit, sich aufzuwärmen.
Die Weiterfahrt ins estnische Tartu war die für den Tag längste Strecke. Am Spätnachmittag überquerten wir die Grenze zwischen Lettland und Estland. Mit knapp 100.000 Einwohnern und 20.000 Studenten, ist Tartu (ehemals auf Deutsch Dorpat) die wichtigste Universitätsstadt Estlands. Nach dem Check-In ins Hotel, brachen wir zu einem kurzen Stadtrundgang auf. Auch hier konnten wir wieder viele deutsche Spuren entdecken. Zum leckeren Abendessen im Hotel begrüßten wir einen Vertreter der deutsch-estnischen Gemeinde, der viele Fragen zur Geschichte und aktuellen Entwicklung des Landes beantworten konnte – ein rundum gelungener Abend!
Früh um 8:30 Uhr ging es los in Richtung Tallin. Auf dem Weg dorthin machten wir Station im Laahemaa Nationalpark und hatten Zeit für einen Spaziergang an der malerischen estnischen Küste mit ihren vielen großen Findlingen und der zum Teil unberührten Natur. Im Nationalpark liegen mehrere große Herrenhäuser. Für das ehemals deutsch-baltische Landgut Palmse hatten wir länger Zeit. Das repräsentative Herrenhaus besitzt einen großen Park und viele ehemalige Wirtschaftsgebäude. In einem davon aßen wir sehr gut und zünftig zu Mittag. Nach weiteren anderthalb Stunden Fahrt erreichten wir die Hauptstadt Tallin. Dort legten wir einen kurzen Stopp bei der berühmten Sängerbühne ein, Laululava genannt. Ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Beim alle fünf Jahre stattfindenden Sängerfest finden auf der Bühne mehr als 15.000 Sänger Platz. Die Aufteilung der Altstadt Tallins in Unter- und Oberstadt macht den Ort sehr reizvoll, ist aber zu Fuß auch manchmal recht beschwerlich zu erkunden und so mussten wir uns auch unser zentral gelegenes Hotel erst erlaufen. In der Oberstadt an der russisch-orthodoxen Kirche erwartete uns unsere einheimische Stadtführerin. Bei wechselhaftem Wetter erkundeten wir das schöne Tallin mit seinen Kirchen, Gassen und prächtigen Häusern. Auch hier fanden sich wieder zahlreiche deutsche Spuren. Gleich im Anschluss an die Stadtführung aßen wir in einem Restaurant am zentralen Marktplatz zu Abend.
Der vierte und letzte Tag war den Reisenden zur freien Verfügung, um auf eigene Faust Tallin zu erkunden. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Der andauernde Regen, machte einen Stadtspaziergang fast unmöglich. Doch bietet Tallin viele Museen, gemütliche Cafés und eine riesige Markthalle, die den Tag sehr abwechslungsreich gestalteten. Am Nachmittag fuhr uns der Bus ein letztes Mal. Der kleine Flughafen war innerhalb kurzer Zeit erreicht. Wir nahmen Abschied von der unermüdlichen, fröhlichen Frau Anda und flogen zurück nach Berlin, das wir gegen 20:00 Uhr sicher erreichten.
Das Baltikum ist eine Reise wert! Die kurze Fahrt eröffnete unterschiedlichste Blickpunkte auf Geschichte, Menschen und Natur der beiden Länder Lettland und Estland. Deutsche Spuren waren an allen Ecken und Ende zu finden – vielleicht ein Grund, warum man sich kaum fremd gefühlt hat, auch wenn zwischen Deutschland und dem Baltikum weit über 1000 km liegen. Unsere Gruppe war neugierig, interessiert und aufgeschlossen. Wir freuen uns schon sehr auf weitere Exkursionen, um weitere deutsche Spuren vor Ort zu entdecken.

Mitgliederreise ins Baltikum

Schlüterhofgespräch am 4. Dezember 2017

Führung durch das Deutsch-Russische Museum Berlin Karlshorst am 21. Oktober 2017

Schlüterhofgespräch im Zeughauskino am 18. September 2017

Führung auf dem Friedhof der Märzgefallenen am 12. August 2017

Führung im AlliiertenMuseum in Berlin-Dahlem am 13. Juli 2017

Droysen-Lecture im Zeughauskino am 6. Juni 2017

Tagesexkursion nach Wittenberg am 26. Mai 2017

Mitgliederversammlung 2017 mit anschließendem Empfang

Mitglieder des Museumsvereins als Infopaten für das Projekt „LebensMITTElpunkt. Ihre – Meine – Unsere Stadt“

Führung durch den Berliner Dom am 22. März 2017

Werkstatt- und Depotführung am 15.02.2017

Schlüterhof-Gespräch am 21.11.2016

Neumitgliederempfang am 21.11.2016

Schlüterhof-Gespräch am 07.11.2016

Mitgliederreise nach Breslau (Wroclaw) vom 31.08. bis 1.09.2016


Bei Zwergen und Riesen der Geschichte - eine Reise nach Breslau


Es war ein Experiment - zum ersten Mal hat der Museumsverein des DHM seine jährliche "VIP"-Reise, die bislang spendenfreudige Mäzene anlocken oder bei der Stange halten sollte, auf zwei Tage ausgedehnt und für alle Mitglieder geöffnet. Das Ziel war Breslau, die Hauptstadt der polnischen Provinz Niederschlesien, zur Zeit auch Kulturhauptstadt Europas und für Freunde und Unterstützer eines Deutschen Historischen Museums naturgemäß besonders attraktiv.

Breslau ist nicht zuletzt die Stadt österreichischer und preußischer Kulturdenkmäler - und es ist auch die Stadt der Zwerge, und die sind polnische Denkmäler, klein, doch unübersehbar, inzwischen über dreihundert an der Zahl. Sie erinnern an die Oppositionsbewegung gegen das kommunistische Regime, die sich in den 80er Jahren formiert und in Breslau ironisch den Zwerg als Symbol gewählt hatte, sich dann aber durchaus nicht als Zwergenaufstand erwies. Das und einiges mehr führte uns unsere Stadtführerein Ela Malinowska vor Augen, die sich als ebenso kundige wie beredte und liebenswürdige Dolmetscherin der Breslauer Geschichte und Gegenwart erwies.

Die Dominsel, die einmalig schöne Aula der "Leopoldina" - der einst vom Habsburger Leopold I. gegründeten, zunächst von Jesuiten geprägten, den evangelischen Breslauern aufgenötigten Universität -, die großartige, von Barock und hanseatischer Backsteingotik geprägte Architektur der Altstadt, namentlich die Bürgerhäuser am Rynek, dem früheren "Ring", und eine Schiffsfahrt auf der Oder waren Glanzlichter eines Programms, bei dem die Höhe- und Tiefpunkte der deutschen Geschichte Breslaus bis hin zum bitteren und brutalen Ende im Mai 1945 so wenig ausgespart wurden wie die Leiden der Breslauer Neubürger unter dem kommunistischen Regime, die Mühen der deutsch-polnischen Versöhnung und die bewundernswert positive Entwicklung der Stadt seit der Wende 1989/90.

Das gilt besonders auch für das Breslauer Stadtmuseum im Pałac Królewski, dem alten preußischen Königspalast, durch das Direktor Maciej Łagiewski auf eine Weise führte, die einer eindringlichen, lebendigen, unterhaltsamen Doppelstunde in Europäischer Geschichte gleich kam, temperamentvoll und anschaulich vorgetragen in einem Deutsch, das manchem unserer Politiker, die sich über ihre schwindende Resonanz im Volk wundern, zu Nutz und Ehren gereichen würde. Nach den sympathischen Zwergen sah man hier auch die nicht immer sympathischen Riesen der Geschichte versammelt: Dass unter den Exponaten das Porträt Josef Stalins ebenso zu finden ist wie das des in Polen nicht unbedingt beliebten Friedrichs des Großen und sogar ein lebensgroßes Konterfei Wilhelms des Zweiten, muss der Direktor nur gelegentlich deutschen Historikerkollegen erklären - "es gehört nun einmal zu unserer Geschichte", wie er souverän hervorhob.

Faszinierend im gleichen Sinne zeigte sich auch das Polnische Nationalmuseum, das wir uns mit seiner Fülle von Eindrücken wegen der knappen Zeit ohne Führung zu Gemüte führten. Insgesamt war es fast eine Überfülle, die diese Reise den vierzig Teilnehmern bot, durchaus auch anstrengend wie nicht zuletzt die jeweils vierstündige Busfahrt von und nach Berlin - aber, so die Resonanz: Es hat sich gelohnt, und es sollte nicht das letzte Angebot dieser Art gewesen sein.

Peter Voß



PS: Dem Fotografen der Breslau-Bilder, Herrn Dr. Michael Thomas, danken wir für die bleibenden Impressionen.

Mitgliederreise nach Breslau (Wroclaw) vom 31.08. bis 01.09.2016

Droysen-Lecture am 18.5.2016