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In den Archiven der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Deutschlands liegt ein kaum bekannter Schatz: Spielfilme teils prominenter Regisseure und/oder Drehbuchautoren, die hauptsächlich in den sechziger und siebziger Jahren entstanden, als die Rundfunkanstalten zugleich Übungs- und Experimentierfeld für Nachwuchsfilmemacher waren. Es handelt sich um reine TV-Produktionen, die in aller Regel auch nur im Fernsehen gezeigt wurden, dort allerdings ein Millionenpublikum erreichten. Auf diesen weitgehend vergessenen Teil der deutschen Filmgeschichte möchte die von Jan Gympel initiierte und mitkuratierte Reihe Aus dem Fernseharchiv hinweisen: Monatlich wird ein Fernsehspielfilm aus dem Bestand der Sammlung Fernsehen der Deutschen Kinemathek präsentiert.

Wir zeigen drei frühe Arbeiten von Eberhard Fechner (1926-1992), der mit Spielfilmen wie den mehrteiligen Kempowski-Adaptionen Tadellöser & Wolff und Ein Kapitel für sich sowie Dokumentationen wie Nachrede auf Klara Heydebreck, Comedian Harmonists – Sechs Lebensläufe und Der Prozess über den Düsseldorfer Majdanek-Prozess Fernsehgeschichte schrieb. Vergleichsweise weniger beachtet wurden bisher Fechners frühe Spielfilme. Dabei weisen sie bereits viele inhaltliche, gestalterische und personelle Bezüge zu seinen bekannteren Arbeiten auf, allem voran das Interesse an den „kleinen Leuten“, ihrem Alltag und ihren Versuchen, ihr Dasein zu verbessern. Auch wenn Fechner selbst seine Frühwerke, zu denen er in der Regel auch schon die Drehbücher schrieb, später kleinredete, sind sie ebenso interessante wie unterhaltsame Talentbeweise.

Im dritten Quartal 2021 zeigen wir drei Arbeiten des Berliner Autors Johannes Hendrich (1919-1980), der neben Fernsehspielen auch zahlreiche Hörspiele und einige wenige Kinofilme schrieb sowie journalistisch und als Hörspielregisseur tätig war. Ab den sechziger Jahren widmete sich der aus der Tschechoslowakei stammende Hendrich bevorzugt dem zeitgenössischen Alltag, besonders in seiner Wahlheimat West-Berlin. Oft anhand eingehender Recherchen, schuf er einfühlsame Portraits von Durchschnittsmenschen, aber auch von Außenseitern der damaligen Gesellschaft. Der Kritiker Wolfgang Paul würdigte Hendrich in einer Besprechung des Spielfilms Zausel: „Er konnte nicht nur Geschichten so erzählen, daß sie einem unter die Haut gingen, sondern verfaßte auch Dialoge, die bis in die letzte Kleinigkeit lebensnah und lebenswahr waren. Hinzu kam eine Fähigkeit, den Zuschauer vergessen zu lassen, daß ‚nur’ gespielt wurde. Er erarbeitete sich jedes Milieu, packte es in Szenen und Sätze und machte es unverwechselbar.“ (Der Tagesspiegel, 14.1.1983)

Aus dem Fernseharchiv ist eine Kooperation mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.

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