Selbstauskünfte: Filme über Film
Anlässlich des 80. Gründungtages der DEFA
Die am 17. Mai 1946 gegründete staatliche Filmfirma der DDR, die Deutsche Film AG, kurz: DEFA, produzierte zwischen 1946 und 1992 knapp 700 Spielfilme, über 750 Animationsfilme, etwa 2.250 Dokumentar- und Kurzfilme sowie unzählige Wochenschauen. Ihre Produktionen wurden in volkseigenen Lichtspielhäusern, in Sommerkinos und auf Freilichtbühnen gezeigt, auf Festivals und nicht zuletzt im Fernsehen der DDR. Auf deren Spiel- und Programmplänen standen neben Filmen aus der DDR und Produktionen aus dem sozialistischen Ausland auch Filme aus der Bundesrepublik und den nicht sozialistischen Ländern. Film, das war auch in der DDR ein allgegenwärtiges Medium, ein Teil der Gesellschaft.
Viele Gegenwartsfilme der DEFA erzählen von Film und Kino, indem sie die Vorbereitung und Durchführung von Dreharbeiten, also die Filmproduktion selbst in den Mittelpunkt stellen. Anders als die selbstreflexiven Filme westlicher Provenienz, die oft in ernstem Tonfall auf kapitalistische Schattenseiten des Films hinweisen und von Gier, Neid und Erfolgssucht erzählen, ziehen DEFA-Filme bevorzugt komödiantische Register. Viele inszenieren Doppelgängergeschichten oder überraschende Wechsel von Gegenwarts- und Filmerzählung. Auch Phänomene des eigentlich in der DDR abgelehnten Starwesens und die bevorzugte gesellschaftliche Behandlung prominenter Schauspieler*innen werden thematisiert. Es dominiert ein liebevoller, nur vorsichtig kritischer Blick auf die Filmbranche.
Die von Michael Grisko anlässlich des 80. Gründungstages der DEFA kuratierte Retrospektive Selbstauskünfte: Filme über Film versammelt neben Spielfilmen auch zwei dokumentarische Kurzfilmprogramme, die sich der Filmgeschichte und Filmproduktion widmen oder Künstler*innen der DEFA portraitieren. Sie präsentiert ein Jubiläumsprogramm, in dem sich die größte Filmgesellschaft der DDR selbst vor- und dabei nicht selten verstellt. (Michael Grisko)









