Aus dem Fernseharchiv

Egon Monk

In den Archiven der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Deutschlands liegt ein kaum bekannter Schatz: Spielfilme teils prominenter Regisseure und/oder Drehbuchautoren, entstanden hauptsächlich in den sechziger und siebziger Jahren, als die Rundfunkanstalten zugleich Übungs- und Experimentierfeld für Nachwuchsfilmemacher waren. Es handelt sich um reine TV-Produktionen, die in aller Regel auch nur im Fernsehen gezeigt wurden, dort allerdings ein Millionenpublikum erreichten. Auf diesen weitgehend vergessenen Teil der deutschen Filmgeschichte möchte die von Jan Gympel initiierte und mitkuratierte Reihe Aus dem Fernseharchiv hinweisen: Monatlich wird ein Fernsehspielfilm aus dem Bestand der Sammlung Fernsehen der Deutschen Kinemathek präsentiert.

Im dritten Quartal 2020 zeigen wir drei Arbeiten von Egon Monk (1927-2007), der in den sechziger Jahren eine prägende Figur des westdeutschen Fernsehens war. In Berlin geboren und aufgewachsen, hatte er gleich nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, sich als Theaterschauspieler und -regisseur zu etablieren und war 1949 an das Berliner Ensemble gekommen. Auch nachdem er dieses 1953 verlassen hatte, stilisierte Monk sich gern als Schüler Bertolt Brechts, den er als Vorbild bezeichnete. Zunächst in West-Berlin weiter an Theatern sowie beim Hörfunk tätig, ging Monk schließlich nach Hamburg. Von 1960 bis 1968 Leiter der Hauptabteilung Fernsehspiel des Norddeutschen Rundfunks, machte er den Sender zur anspruchsvollsten und aufregendsten Fernsehspielschmiede Deutschlands, deren Produktionen viel Beachtung fanden. Monk nutzte das junge Massenmedium als aufklärerische Kultur- und Bildungsinstitution, die ein kritisches Bewusstsein gegenüber Staat und Gesellschaft fördern sollte. Nach einer kurzen, glücklosen Amtszeit als Intendant des Hamburger Schauspielhauses im Jahre 1968, war er bis zu seinem Tod wieder als freier Drehbuchautor und Regisseur für das Fernsehen tätig.

Aus dem Fernseharchiv ist eine Kooperation mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.