Unter Vorbehalt

Von September 2011 bis August 2014 präsentierte das Zeughauskino über vierzig Propagandafilme aus der Zeit des Nationalsozialismus, darunter raffiniert konstruierte, immer noch wirkungsvolle Hetzfilme, nicht selten aber auch plumpes Polithandwerk, eindimensionales, durchsichtiges NS-Kino, uninspiriert, misslungen, langweilig.

Als historische Quellen sind diese Filme – ob handwerklich dürftig oder propagandistisch noch wirksam – von unschätzbarem Wert. Sie geben uns Auskunft über die oft mühsame, gelegentlich widersprüchliche und stets politisch-militärischen Überlegungen unterworfene Ideologieproduktion im Kino des „Dritten Reichs“. Dass nicht wenige dieser Filme mit Umkehrungen der realen Verhältnisse arbeiten und dem Gegner Absichten, Wünsche und Handlungen unterstellen, die in Wirklichkeit Absichten, Wünsche und Handlungen der Nationalsozialisten selbst waren, gehörte zu den besonders irritierenden Filmerfahrungen dieser Reihe. Aber auch schon einfache inszenatorische Entscheidungen wie die Ausstattung von Räumen mit Hitler-Porträts oder die Berücksichtigung des alltäglichen Hitlergrußes erinnerten ganz augenfällig an die Zeit, der die Vorbehaltsfilme entstammen und die im Gros des NS-Unterhaltungskinos auf den ersten, vordergründigen Blick wie ausgetilgt erscheint.

Wie mit diesem filmischen Erbe umgehen? Wir haben diese Frage, die nicht summarisch, sondern nur von Fall zu Fall beantwortet werden kann, immer wieder diskutiert. In einigen Fällen scheint wenig gegen eine vollkommene Freigabe zu sprechen. Die Diskussion der komplexeren Filme mit ambivalenten Figuren, mit beliebten Stars und beeindruckenden Schauwerten verläuft jedoch nach wie vor kontroverser – nicht nur im Zeughauskino, sondern auch in einer breiteren Öffentlichkeit, wo die Auseinandersetzung mit den Propagandafilmen der NS-Zeit angekommen ist und hoffentlich weiterhin stattfinden wird. Nach und nach werden wir deshalb an dieser Stelle die Filmeinführungen, die im Rahmen der Reihe UNTER VORBEHALT gehalten wurde, in überarbeiteter Form veröffentlichen.

Stefanie Mathilde Frank: Achtung! Feind hört mit! (D 1940, Arthur Maria Rabenalt)

Philipp Stiasny: Anschlag auf Baku (D1941, Fritz Kirchhoff)

Erhard Schütz: D III 88 (D 1939, Herbert Maisch)

Guido Altendorf: Drei Unteroffiziere (D 1939, Werner Hochbaum)

Erhard Schütz: Feuertaufe (D 1940, Hans Bertram)

Stefanie Mathilde Frank: Flucht ins Dunkel (D 1939, Arthur Maria Rabenalt)

Stefanie Mathilde Frank: Fronttheater (D 1942, Arthur Maria Rabenalt)

Jeanpaul Goergen: Himmelstürmer (D 1941, Walter Jerven)

Philipp Stiasny: Hitlerjunge Quex (D 1933, Hans Steinhoff)

Erhard Schütz: Kampfgeschwader Lützow (D 1941, Hans Bertram)

Simone Erpel: SA-Mann Brand (D 1933, Franz Seitz Sen.)

Tobias Ebbrecht-Hartmann: Urlaub auf Ehrenwort (D 1937, Karl Ritter)

Stefanie Mathilde Frank: Wunschkonzert (D 1940, Eduard von Borsody)