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In Lexika finden sich – wenn überhaupt – nur kurze Einträge, auf Kinoleinwänden sind seine Filme nur selten zu sehen. Der in cinephilen Kreisen verehrte Regisseur Zbyněk Brynych gehört zu den Vergessenen der europäischen Filmgeschichte. Zu disparat, schillernd und monströs ist sein Œuvre.

Der 1927 in Karlovy Vary geborene Tscheche arbeitet zunächst als Musiker, ehe er seit 1946 als Produktions- und Regieassistent Erfahrungen in der Filmbranche sammelt. Ein gewonnener Drehbuchwettbewerb ermöglicht ihm, Kurzfilme zu realisieren. Sein erster Langfilm Vorstadtromanze wird 1958 gleich in den Wettbewerb von Cannes eingeladen und katapultiert Brynych ins Zentrum der tschechoslowakischen Aufbruchsbewegung. Die „Neue Welle“ der 1960er Jahre bereichert er um eigenwillige Filme, die mal realistische, mal allegorische Züge tragen. Als ein Meister der Atmosphären, der alptraumhaften Dramen und des „politischen Horror“ (Jan Žalman) wird Brynych gefeiert.

Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts verlässt Brynych die ČSSR in Richtung Bundesrepublik, und es entstehen neben Literaturadaptionen drei Kolportagefilme, deren irrwitzige Erzählungen und wilden Inszenierungsexzesse ihresgleichen suchen. „Ich steche in den Ameisenhaufen hinein, und sofort stürzen die Bewohner an die Oberfläche, angsterfüllt und voller Entsetzen; und in dem Moment, wo sie ans Tageslicht kommen, da fängt mein Film an.“ (Zbyněk Brynych).

Ende der 1960er Jahre beginnt auch die Zusammenarbeit mit Helmut Ringelmann, dem legendären Fernsehproduzenten, für den Brynych unter anderem vier Folgen des Kommissar – allesamt Preziosen des deutschen Fernsehens – und von 1975 bis 1994 über 30 Derrick-Folgen inszeniert. Seit Anfang der 1970er Jahre ist Brynych, der bis 1975 nicht aus der ČSSR  ausreisen durfte, wieder in seiner Heimat aktiv: ein hierzulande wenig beachteter Strang seines Filmschaffens, der unter dem Verdikt steht, phasenweise der prosowjetischen Linie der „Normalisierung“ zugearbeitet zu haben.

Brynych, dessen kaum zu überblickendes Werk darauf schließen lässt, das Ergebnis eines exzessiv Arbeitenden zu sein, stirbt am 24. August 1995, noch vor der Ausstrahlung seiner letzten Regiearbeit. Die Sicherung und Pflege vor allem seiner in Deutschland entstandenen Kinofilme stehen noch aus.

Die Retrospektive Zbyněk Brynych ist eine Veranstaltung des Zeughauskinos und des Tschechischen Zentrums Berlin.

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