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  1. Gesellschaft Ausgrenzung und Terror Außenpolitik Zweiter Weltkrieg Völkermord Verantwortung

Machtübertragung und Machtübernahme

Vor allem Angehörige der alten konservativen Eliten aus Politik und Wirtschaft ermöglichten die Machtübertragung auf Adolf Hitler und die NSDAP. Sie erhofften sich davon Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer autoritären Politik und Bekämpfung linker Parteien, wie den Kommunisten und Sozialdemokraten. Gleichzeitig sollten mehrere konservative Minister, die nicht Mitglieder der NSDAP waren, Hitler in der Regierung einrahmen und kontrollieren. Tatsächlich waren sie schon bald politisch isoliert, wurden aus ihren Ämtern gedrängt oder zogen sich freiwillig zurück. Einige traten später selbst in die NSDAP ein.

Gesellschaft im Nationalsozialismus

Mit ihrer Machtübernahme strebten Adolf Hitler und die NSDAP eine grundlegende Neuordnung der gesellschaftspolitischen Verhältnisse an. Ziel war dabei die totale Kontrolle über die Gesellschaft und den Alltag der Menschen. Sämtliche Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens sollten auf die Ideologie der Nationalsozialisten ausgerichtet werden. Diesen Prozess nannten die Nationalsozialisten „Gleichschaltung“. Als sichtbares Zeichen dieser Politik war das Hakenkreuz, das Parteiabzeichen der NSDAP, allgegenwärtig.  Das nationalsozialistische Regime war eine Diktatur der Zustimmung. Viele Menschen in Deutschland beteiligten sich aktiv an der Umgestaltung des Staates.

Die "Volksgemeinschaft"

Ein wichtiger Aspekt der nationalsozialistischen Ideologie und Propaganda war die Idee einer „Volksgemeinschaft“. In der „Volksgemeinschaft“ sollten Gegensätze zwischen unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen durch die Identifikation mit „Volk und Rasse“ überwunden werden. Die „Volksgemeinschaft“ war jedoch keine Gemeinschaft unter Gleichen, sondern orientierte sich an klaren Hierarchien. Der Einzelne hatte sich der Gemeinschaft unterzuordnen. Dennoch wirkte die Vorstellung einer harmonischen „Volksgemeinschaft“ auf viele Menschen in Deutschland attraktiv. Für das Gefühl von Zugehörigkeit waren sie bereit, auf individuelle Freiheiten zu verzichten.

Ausgrenzung, Gewalt und Terror


Für die Nationalsozialisten war Gewalt ein unverzichtbares und erlaubtes Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele. Militärisch ausgerichtete Parteiorganisationen wie die Sturmabteilung (SA) oder die Schutzstaffel (SS) trugen diese Gewalt auf die Straße und schließlich in die staatlichen Institutionen. Sie diente zunächst vor allem der Machtübernahme und der Bekämpfung des politischen Gegners. Schon bald weitete sich der Terror auf Personen und Gruppen aus, die in der nationalsozialistischen Propaganda als „Volksfeinde“ oder „gemeinschaftsfremd“ galten. Menschen waren unterschiedlichen Formen der Gewalt und Verfolgung ausgesetzt: öffentliche Demütigung, Misshandlung, Zwangsarbeit, Zwangssterilisation, Haft, Deportation, Mord. Eine freie Rechtsprechung und unabhängige Justiz, welche die Opfer hätte schützen können, gab es im nationalsozialistischen Deutschland nicht.


Das Weltbild der Nationalsozialisten unterschied klar zwischen Freunden und Feinden. Während sich die meisten Deutschen als Teil einer überhöhten „Volksgemeinschaft“ fühlen durften, erfuhren andere Bevölkerungsgruppen Abwertung. Besonders unter dem Terror zu leiden hatte die jüdische Bevölkerung. Sie galten nach der Rassenideologie der Nationalsozialisten als Angehörige einer minderwertigen Rasse. Obwohl 1933 nur etwa 500 000 Jüdinnen und Juden in Deutschland lebten, gab ihnen die nationalsozialistische Propaganda Schuld an allen Krisen und gesellschaftlichen Missständen. Einen vorläufigen Hohepunkt erreichte die Gewalt gegen jüdische Menschen im November 1938. In der Nacht vom 9. zum 10. November brannten in ganz Deutschland Synagogen und weitere jüdische Einrichtungen. Menschen wurden getötet, gedemütigt, verhaftet, misshandelt und vergewaltigt, Geschäfte und Wohnungen demoliert und zerstört.


Instrumente des Terrors

Die Konzentrationslager waren ein Herrschafts- und Terrorinstrument der Nationalsozialisten. Nach der Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 konnten Menschen dort ohne Gerichtsurteil und auf unbestimmte Zeit in „Schutzhaft“ genommen werden. Die ersten Konzentrationslager entstanden schon im Frühjahr 1933. Die meisten der frühen Konzentrationslager befanden sich in festen Bauten, wie ungenutzten Fabrikhallen, Kasernen oder Gefängnissen. Erst in den folgenden Jahren wurden sie durch neue und größere Barackenlager ersetzt. Die Häftlinge der Konzentrationslager waren zunächst überwiegend politische Gegnerinnen und Gegner der Nationalsozialisten. Später kamen neue Häftlingsgruppen hinzu: rassistisch verfolgte Gruppen, vor allem jüdische Menschen, Sintizze und Sinti sowie Romnja und Roma, als „asozial“ und „kriminell“ bezeichnete Menschen, Zeugen Jehovas und Homosexuelle. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs weiteten die Nationalsozialisten das System der Konzentrationslager auf ganz Europa aus. Bis Kriegsende errichteten sie in Deutschland und den im Krieg besetzten Gebieten über 1 000 Konzentrationslager, die in Haupt- und Außenlager unterteilt waren. Erst mit Kriegsende im Mai 1945 konnten die letzten Konzentrationslager befreit werden.

Die nationalsozialistische Außenpolitik

Die nationalsozialistische Außenpolitik trug lange Zeit zur Beliebtheit Adolf Hitlers und der NSDAP in der deutschen Bevölkerung bei. Für Deutschland vorteilhafte Verträge, die Vergrößerung des Staatsgebiets oder militärische Erfolge im Spanischen Bürgerkrieg erschienen vielen Deutschen wie eine Rückkehr zu nationaler Unabhängigkeit und Größe. Das langfristige Ziel Hitlers war die Beherrschung Europas und die militärische Eroberung von „Lebensraum im Osten“. Sehr wichtig war daher die Vergrößerung und Bewaffnung der deutschen Armee. In öffentlichen Reden sprach Hitler zwar regelmäßig vom Erhalt des Friedens in Europa. Gleichzeitig aber setzte er die Regierungen anderer Länder stark unter Druck und drohte offen mit militärischer Gewalt. Die anderen europäischen Staaten reagierten häufig unentschlossen und waren sich in ihrem Handeln nicht einig. Am 1. September 1939 führte der Überfall Deutschlands auf Polen schließlich zu einer Kriegserklärung von Großbritannien und Frankreich. Der Zweite Weltkrieg hatte damit begonnen.

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Beginn des Zweiten Weltkriegs

Am 1. September 1939 überfiel die deutsche Armee Polen. Frankreich und Großbritannien reagierten mit einer Kriegserklärung an Deutschland. Die seit vielen Jahren auf einen Krieg vorbereitete deutsche Armee konnte schnelle militärische Erfolge erzielen. Nach der Besetzung Polens, Dänemarks und Norwegens kapitulierte im Juni 1940 Frankreich vor den deutschen Truppen. Ein Jahr später begann der Krieg gegen die Sowjetunion. Auch hier konnten schnelle Gebietsgewinne erzielt werden. Die Versorgung mit Nachschub und die Verwaltung des riesigen besetzten Territoriums bereiteten der deutschen Armee jedoch große Probleme. Im Winter 1941 kam der deutsche Vormarsch kurz vor der sowjetischen Hauptstadt Moskau zum Stehen. Zur gleichen Zeit weitete sich mit dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 der Konflikt endgültig zu einem Weltkrieg aus. Deutschland stand nun einer mächtigen alliierten Koalition aus der Sowjetunion, den USA und Großbritannien gegenüber.

Vernichtungskrieg und Völkermord

Von Beginn an war die deutsche Kriegsführung im Zweiten Weltkrieg von extremer Gewalt bestimmt. Insbesondere den Angriff gegen die Sowjetunion präsentierte die nationalsozialistische Propaganda nicht als Auseinandersetzung mit einem fremden Staat, sondern als Vernichtungskrieg gegen eine feindliche Rasse und Weltanschauung. Hier bestanden kaum noch moralische Grenzen und Hemmungen. Schon in Polen waren der deutschen Armee sogenannte Einsatzgruppen aus Angehörigen von Polizei und SS gefolgt. Hinter den Frontlinien verübten sie zahlreiche Massaker an der Zivilbevölkerung.

Ab Herbst 1941 begannen die deutschen Besatzer in Polen mit der systematischen Ermordung der jüdischen Bevölkerung durch Giftgas. In der Nähe der Ortschaften Chełmno, Bełżec, Sobibor, Treblinka, Lublin-Majdanek und Auschwitz-Birkenau entstanden Vernichtungslager mit mobilen Gaswagen und Gaskammern. Dort starben die Menschen meist nur wenige Stunden nach ihrer Ankunft qualvoll. Wer nicht sofort ermordet wurde, musste schwere Zwangsarbeit leisten. Etwa sechs Millionen jüdische Menschen verloren während des Zweiten Weltkriegs durch Erschießungen, Vergasungen, Giftinjektionen oder katastrophale Lebensbedingungen in jüdischen Ghettos, Konzentrations- und Zwangsarbeitslagern ihr Leben. Auch an den europäischen Sinti und Roma verübten die Nationalsozialisten einen Völkermord. Hunderttausende starben unter ähnlichen Bedingungen wie die jüdische Bevölkerung bei Massenerschießungen, Vergasungen und an den Folgen der Lagerhaft.

Der Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden wird heute als „Holocaust“ (dt.: vollständig verbrannt) oder mit dem hebräischen Wort „Shoah“ (dt.: die Katastrophe/das große Unglück) bezeichnet. In der Sprache der Romnja und Roma, dem Romanes, gibt es für den Völkermord die Bezeichnung „Porajmos“ (dt.: das Verschlingen).

Vom „Totalen Krieg“ zur totalen Niederlage

Im Sommer 1941 rechneten Adolf Hitler und das deutsche Militär mit einem schnellen Sieg über die Sowjetunion. Aus dem geplanten „Blitzkrieg“ entwickelte sich jedoch bald ein Abnutzungskrieg, der immer mehr Menschenleben kostete. Ab dem Jahr 1942 drängten die Alliierten die deutsche Armee zunehmend zurück. Mit schweren Luftangriffen auf deutsche Großstädte wurde Deutschland selbst zum Kriegsschauplatz. Nach der Niederlage in der Schlacht um Stalingrad befand sich die deutsche Armee an allen Fronten auf dem Rückzug.

Trotz der aussichtslosen militärischen Lage rief Propagandaminister Joseph Goebbels im Februar 1943 den „Totalen Krieg“ aus.  Alles sollte nun dem Krieg untergeordnet werden. Unternehmen, die Güter für den Krieg produzierten, wurden bevorzugt behandelt. Immer mehr Deutsche und Millionen von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern arbeiteten in der Rüstungsproduktion. Im sogenannten Volkssturm wurden für die letzten Kriegsmonate alle noch verfügbaren Männer zwischen 16 und 60 Jahren eingezogen, um für den vermeintlichen „Endsieg“ zu kämpfen. Der „Totale Krieg“ endete mit der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 in einer totalen Niederlage. Offenen Widerstand gegen den Krieg hatte es in der deutschen Bevölkerung kaum gegeben. Die meisten Deutschen trugen das nationalsozialistische System bis zu seinem Ende mit.

Verantwortung

Weltweit starben im Zweiten Weltkrieg mehr als 50 Millionen Menschen. Überall lagen Städte und Landschaften in Trümmern, Kulturgüter waren unwiederbringlich zerstört. In ganz Europa hinterließ die nationalsozialistische Gewaltherrschaft tiefe Wunden und gesellschaftliche Risse.

Nach Kriegsende taten sich beide deutschen Staaten, die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die Deutsche Demokratische Republik im Osten, schwer mit einer kritischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Viele Deutsche sahen sich durch eigene Verluste selbst als Opfer des Krieges. Fragen nach den Betroffenen nationalsozialistischer Verbrechen und eigener Mitverantwortung stießen oft auf heftige Abwehrreaktionen. Die Forderung, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen, unterstützten in Deutschland viele Menschen.

Dennoch prägte der Umgang mit dem Nationalsozialismus die Entwicklungen in Deutschland nach 1945 entscheidend.
Die Auseinandersetzungen berührten viele Aspekte und Bereiche, etwa die juristische Verfolgung von Täterinnen und Tätern, den Umgang mit Tatorten nationalsozialistischer Verbrechen, das Verhältnis zu ehemals besetzten Ländern und dem Staat Israel, die Frage nach Reparationszahlungen und Entschädigungen oder die Gestaltung einer öffentlichen Erinnerungskultur. Diskussionen um diese Themen reichen bis in unsere Gegenwart.