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Vom Zeughaus zum Museum

18. Jahrhundert bis 1945

Das Zeughaus war im 18. Jahrhundert das bedeutendste Waffendepot Brandenburg-Preußens; Preußen hatte sich zur größten Militärmacht unter den deutschen Staaten entwickelt.

Von Anfang an besaß der Bau eine Doppelfunktion. Neben seiner Bestimmung als Waffenmagazin diente er zugleich als Ort der Präsentation von historischen Paradewaffen und Trophäen. Die über dem Hauptportal angebrachte lateinische Weiheschrift formuliert dies auf eindrucksvolle Weise: „Den Waffentaten zur Anerkennung, den Feinden zum Schrecken, seinen Freunden und Bundesgenossen zum Schutz, hat Friedrich I., der erhabene und unbesiegte König der Preußen, dieses Zeughaus zur Bergung aller Kriegswerkzeuge sowie kriegerischer Beute und Trophäen von Grund aus erbauen lassen im Jahre 1706.“ Die Innenarchitektur, ohne behindernde feste Einbauten, bot ideale Voraussetzungen, die Waffen effektiv zu lagern und optimal zur Geltung zu bringen.

Während der Befreiungskriege 1813–1815 kam eine Fülle von Trophäen ins Zeughaus, so dass sich die Frage nach der Nutzung des Arsenals neu stellte. Der Architekt Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) entwickelte 1815 verschiedene Pläne zur Präsentation, die zunächst keine Zustimmung fanden. Erst einige Jahre später wurde auf Anregung von Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen (1795–1861) die Überlegung, das Zeughaus in einen Ort des preußischen Waffenruhmes umzuwandeln, wieder aufgegriffen und umgesetzt.

Als direkte Folge des Siegs über Frankreich wurde 1871 das Deutsche Reich gegründet. König Wilhelm I. von Preußen wurde zum Kaiser des Staatenbundes ernannt. Von 1877 bis 1880 ließ er das Zeughaus von Georg Friedrich Hitzig (1811–1881) umbauen. Wilhelm fühlte sich zeitlebens stärker der preußischen Königs- als der deutschen Kaiserwürde verbunden: Die neue „Ruhmeshalle der brandenburgisch-preußischen Armee“ sollte die preußische Armee und deren Geschichte in sichtbaren Zeugnissen würdigen.

Die wichtigsten baulichen Veränderungen waren die Überdachung des Hofes sowie eine aufwändig dekorierte Kuppelhalle im Obergeschoss. Vom Innenhof führte eine geschwungene, doppelläufige Freitreppe hinauf.

Mit diesem Umbau wurde die Zweckbestimmung des Zeughauses als Waffenmagazin beendet. Bis zu seiner Zerstörung 1944/45 entwickelte es sich zu einem der bedeutendsten Heeresmuseen in Europa.

Einen entscheidenden Schritt zum „Museum im Arsenal“ bedeutete die Einrichtung einer Kunst- und Rüstkammer sowie einer Waffen- und Modellsammlung in den 1820er Jahren.

Wiederaufbau: Das Museum für Deutsche Geschichte

1945 bis 1990

Das Zeughaus wurde 1944/45 schwer durch Bomben- und Granateneinschläge sowie Brände beschädigt. Der Wiederaufbau begann 1948 und zog sich bis 1967 hin. Das Gebäude sollte in seiner ursprünglichen Form, unter Verzicht aller Ein- und Umbauten aus dem 19. Jahrhundert, wieder hergestellt werden. Aufgrund des schlechten Zustands des Gesteinsmaterials wurde es jedoch 1950 völlig entkernt und eine Stahlskelettkonstruktion eingebaut.

Zunächst sollte das Gebäude als „Haus der Kultur“ dienen. Mit der Umgestaltung wurde 1948 Werner Harting (1904–1987) beauftragt. Ein Theater, ein Kino, ein Kammermusiksaal und Ausstellungsräume gehörten zum geplanten Raumprogramm. 1950 wurden diese Pläne geändert. Jetzt war ein „kulturhistorisches Museum“ das Ziel. Das Kollektiv Otto Haesler (1880–1962) und Karl Völker (1889–1962) wurde nun mit dem Aufbau eines „Museums für Deutsche Geschichte“ betraut. Nach einer Auseinandersetzung über die Gestaltung des Innenraums wurde 1951 schließlich Theodor Voissem als leitender Architekt beauftragt.

Im August 1990 erfolgte durch einen Beschluss des Ministerrates der letzten DDR-Regierung die Auflösung des Museums für Deutsche Geschichte, das seit 1952 seinen Sitz im Zeughaus hatte.

Umbau: Deutsches Historisches Museum

1990 bis heute

Als Gegenstück zum Ostberliner Museum für Deutsche Geschichte war die Errichtung eines Gebäudes für das 1987 gegründete Deutsche Historische Museum ursprünglich im Westteil Berlins geplant. Im Zuge der Wiedervereinigung bestimmte die Bundesregierung jedoch 1992 das Zeughaus als endgültigen Sitz für das im Aufbau befindliche deutsche Geschichtsmuseum.

Die technische Ausstattung des Gebäudes entsprach allerdings nicht den Anforderungen eines modernen Museums, so dass das Berliner Büro Winfried Brenne Architekten mit dem Umbau betreut wurde. Die barocke Bausubstanz und die Architektur des Wiederaufbaus aus den 1950er und 1960er Jahren sollten mit den gestalterischen und funktionalen Anforderungen eines modernen Museums verbunden werden.

Durch die von 1994 bis 2004 durchgeführten Restaurierungs- und Umbauarbeiten erhielt das Zeughaus – außen wie innen – weitgehend seinen ursprünglichen baulichen Charakter wieder. Mit der originalgetreuen hellrötlichen Fassade und seinem üppigen Skulpturenschmuck vermittelt es noch heute einen Eindruck von der prächtigen Architektur.

Trotz seiner wechselvollen Baugeschichte ist das Gebäude seiner architektonischen Bestimmung stets treu geblieben: Es war immer ein „magasin“ zur Präsentation von Sammlungen, ein „Schatzhaus“ für kostbare historische Zeugnisse und ein Ort der Betrachtung und Erkenntnis.