DHM außer Haus
Fünf Spaziergänge zur Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht“
Kloster Eibingen – Potsdam – Gräfendorf – Senftenberger See – Wyhl
Raus aus dem Museum: Begleitend zur Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie - Macht“ (noch bis 7. Juni 2026) lädt das Deutsche Historische Museum von März bis Mai 2026 zur neuen Veranstaltungsreihe „DHM außer Haus“ ein. An fünf Terminen findet das Programm draußen an in der Ausstellung thematisierten Schauplätzen statt. Bei rund zweistündigen Spaziergängen vertiefen Mitglieder des Ausstellungsteams mit externen Gästen einzelne Themen vor Ort: entlang von Autobahnruinen und Weinbergen, künstlich geschaffenen Seen und Schlossgärten.
Der erste Spaziergang mit Sr. Christophora Janssen OSB, Benediktinerin der Abtei St. Hildegard und Vorstandsmitglied der St. Hildegard-Akademie Eibingen e.V., und Julia Voss, Kuratorin der Ausstellung, führt am Sonntag, den 8. März 2026 vom Bahnhof Rüdesheim am Rhein durch die Weinberge zur Abtei St. Hildegard: Hier werden die Traditionen der von Hildegard von Bingen gegründeten Klöster Rupertsberg und Eibingen fortgeführt. Bei einem Besuch im Steinbruch und Klostergarten gibt es Einblicke in die Geschichte und die Beziehungen zu Hildegard von Bingens Schriften.
Alle Termine der Veranstaltungsreihe „DHM außer Haus“:
Mit Sr. Christophora Janssen OSB und Julia Voss bei Hildegard von Bingen im Kloster Eibingen
Sonntag, 8.3.2026, 14 Uhr
Der Spaziergang führt vom Bahnhof Rüdesheim am Rhein durch die Weinberge zur Abtei St. Hildegard: Hier werden die Traditionen der von Hildegard von Bingen gegründeten Klöster Rupertsberg und Eibingen fortgeführt; bei einem Besuch im Steinbruch und Klostergarten gibt es Einblicke in die Geschichte und die Beziehungen zu Hildegard von Bingens Schriften.
Mit Sr. Christophora Janssen OSB, Benediktinerin der Abtei St. Hildegard und Vorstandsmitglied der St. Hildegard-Akademie Eibingen e.V., und Julia Voss, Kuratorin der Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte“.
Mit Dorlis Blume und Antonia Humm beim „Kartoffelkönig“ in Potsdam
Sonntag, 29.3.2026, 14 Uhr
Der Spaziergang führt vom Brandenburger Tor über den Marlygarten „Flora am Fächerbeet“ zum Schloss Sanssouci, von dort über den Alten Dorfkern und das Krongut Bornstedt bis zum ehemaligen Weinberg und Hopfengarten an der Maulbeerallee: Immer auf den Spuren Friedrichs II. und seinem besonderen Verhältnis zur Kartoffel…
Mit Dorlis Blume, Projektleiterin der Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte“, und Antonia Humm, Historikerin und Kuratorin der Ausstellung „König & Kartoffel“ (Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, 2012).
Mit Martin Baumert und Nils Franke bei den Überresten der NS-Autobahn bei Gräfendorf
Sonntag, 19.4.2026, 14 Uhr
Der Spaziergang führt zu Brückenpfeilern, Feldwegunterführungen und anderen Relikten der nie fertiggestellten Reichsautobahn-Strecke Bad Hersfeld-Würzburg, die mit einer möglichst geschwungenen Streckenführung durch die „deutsche Natur“ einen Gegenentwurf zur landschaftszerstörerischen Eisenbahn zeigen sollte.
Mit Martin Baumert, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte“, und Nils M. Franke, Umwelthistoriker mit Schwerpunkt Naturschutz im Nationalsozialismus.
Mit Martin Baumert und Elke Löwe bei der Bergbaufolgelandschaft am Senftenberger See
Sonntag, 10.5.2026, 14 Uhr
Der Spaziergang führt vom Badestrand Senftenberg und dem Spielplatz „Spur der Steine“ (einem Erinnerungsort für den „Vater des Senftenberger Sees“, Otto Rindt), zu einem Aussichtspunkt mit Blick über dieses 1. Naturschutzgebiet aus einem ehemaligen Tagebau und schließlich zur Zentrale der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) an der Mündung der Rainitza.
Mit Martin Baumert, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte“, und Elke Löwe, Landschaftsgestalterin und Planerin des Nachfolgegeländes.
Mit Bernd Nössler und Julia Voss bei den Weinbauern der Anti-Atomkraftproteste in Wyhl
Sonntag, 31.5. 2026, 14 Uhr
Der Spaziergang führt zu Schauplätzen des erfolgreichen Widerstands gegen das Kernkraftwerk in Wyhl am Kaiserstuhl: Von der Route des 1974 vornehmlich von Winzerinnen und Bäuerinnen organisierten Sternmarschs über den Gedenkstein „Nai hämmer gsait“ (der an den Beginn der Bauplatzbesetzung vom 18. Februar 1975 erinnert) und die Altrheinarme bis zum ehemaligen Standort der „Volkshochschule Wyhler Wald“.
Mit Bernd Nössler, Mit-Organisator der damaligen Proteste, und Julia Voss, Kuratorin der Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte“.
Jeweils max. 25 Teilnehmende, Treffpunkt und weitere Informationen nach Anmeldung.
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Die Anreise zu den Orten der Führungen erfolgt in Eigenregie.
Eine Anmeldung ist erforderlich. Weitere Informationen unter dhm.de/programm
Zur Ausstellung:
Was ist gemeint, wenn von „Natur“ die Rede ist? Auf diese Frage sind in der deutschen Geschichte sehr unterschiedliche Antworten gegeben worden. Regierungen sowie religiöse und politische Bewegungen haben den Begriff der Natur definiert – und für sich beansprucht. In der Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht“ zeigt das Deutsche Historische Museum, wie unterschiedlich „Natur“ zu verschiedenen Zeiten im Spannungsfeld von Glaube, Biologie und Macht verstanden und politisch eingesetzt wurde. Der schillernde und vielseitige Begriff der „Natur“ wird in seiner historischen Breite und Tiefe ausgelotet.
Die Ausstellung verhandelt Beispiele aus 800 Jahren deutscher Geschichte: Von Hildegard von Bingens Begriff der „viriditas“, der grünen Schöpferkraft, im 12. Jahrhundert bis zu der frühen Anti-Atomkraft-Bewegung in Wyhl und den unterschiedlichen Naturkonzepten in beiden Deutschlands im späten 20. Jahrhundert. Die Vereinnahmung des angeblich Natürlichen war zudem eine der ideologischen Grundlagen für die NS-Diktatur, die sowohl die „äußere“ als auch die „innere“ Natur mit einer Unzahl von Gesetzen in ihre Definitionsmacht und Gewalt bringen wollte. Die „Nürnberger Gesetze“ und das „Reichsnaturschutzgesetz“ wurden im gleichen Jahr erlassen: 1935.
In fünf chronologisch angeordneten Räumen mit verschiedenen Stationen werden die Zeiträume durchschritten. Diese Stationen stellen in Form von „Vignetten“ Ereignisse oder Entwicklungen vor, in denen der Naturbegriff auf markante Weise verändert oder geprägt wurde. Die Ausstellung nimmt die sich wandelnde Bedeutung und Begrifflichkeit von „Natur“ in den Blick und arbeitet sie als politischen Faktor in der deutschen Geschichte heraus. Die historischen Etappen dieses Wandels werden nachgezeichnet, wie auch die Politisierung und Instrumentalisierung des Naturbegriffs in der deutschen Geschichte. Wer definiert, was als Natur gilt? Wer hat Zugriff darauf? Wie verändert sich, was als innere und äußere Natur verstanden wird? Und was passiert, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten, auf die politische Handlungen erfolgen müssen?

© Grafik VISUAL SPACE AGENCY & STUDIO BENS