Dokumentarische Positionen: Pavel Schnabel
30. Januar bis 14. Februar 2026
Ein Blick für unbewusste alltägliche Verhaltensweisen, für Details und oft Übersehenes kennzeichnet viele seiner Filme, neben einem Interesse für die Widersprüche und Ambivalenzen gesellschaftlicher Prozesse. Die neue Ausgabe von Dokumentarische Positionen widmet sich dem im nordböhmischen Liberec aufgewachsenen und 1968 in die Bundesrepublik emigrierten Dokumentarfilmemacher Pavel Schnabel. Die Werkschau versammelt acht zentrale Arbeiten seines Œuvres, von Hommage à August Sander (1977) bis zum vorerst letzten langen Dokumentarfilm Home is not a Place (2015). Wir freuen uns, dass Pavel Schnabel bei allen Veranstaltungen unser Gast sein wird.
Mitte der 1960er Jahre nimmt der in Olomouc geborene Pavel Schnabel ein Kamerastudium an der renommierten Prager Film- und Fernsehakademie FAMU auf. Doch schon drei Jahre später, als im August 1968 Truppen des Warschauer Paktes in die ČSSR einmarschieren und gegen die Reformziele eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ vorgehen, sieht Schnabel in seinem Heimatland keine Zukunft. Er verlässt Prag in Richtung Westen und nimmt mit Alexander Kluge Kontakt auf, in dem er einen Filmverbündeten sieht und der ihn mit Studierenden des Instituts für Filmgestaltung in Ulm zusammenbringt. Wenig später ist der versierte Kameramann aus dem Osten bereits Mitglied des Frankfurter Filmkollektivs Eppelwoi Motion Pictures.
Die 1977 gedrehte Hommage an August Sander ist Schnabels erste eigene Produktion: ein Kurzfilm, dessen künstlerische Handschrift und dokumentarische Methode für spätere Arbeiten prägend wird. Gewöhnliche Menschen als Träger*innen der (Mikro- und Makro-)Geschichte; in ihren alltäglichen Umgebungen gefilmt; Gesprächssituationen, die Mentalitäten erschließen; die Erinnerung an verdrängte Geschichte, an Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung, insbesondere während der Zeit des Nationalsozialismus.
Ab Ende der 1970er Jahre folgen Produktionen vor allem für das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Sie widmen sich Ost-West-Beziehungen (Grenzgänger, 1999), politischen Umwälzungen (Brüder und Schwestern, 1991; Der böhmische Knoten, 1994), der Geschichte europäischer Jüdinnen und Juden und den antisemitischen Kontinuitäten nach der Shoah (Jetzt – nach so viel‘ Jahren, 1981; Lissabon – Hafen der Hoffnung, 1993). Eine Werkschau, die auch eine Zeitreise ist.
Ausführliche Angaben zur Filmreihe finden Sie auf unserer Webseite.
Wir freuen uns über eine Berichterstattung und stellen Ihnen auf Anfrage gerne Bildmaterial zur Verfügung.