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Das Werk des deutsch-amerikanischen jüdischen Fotografen Fred Stein (1909, Dresden – 1967, New York) ist untrennbar mit der deutschen Geschichte verbunden. 1933 aus Deutschland geflohen, ergriff der studierte Jurist den Beruf des Fotografen. In Paris und New York porträtierte er bekannte Persönlichkeiten des literarischen und politischen Exils: Autorinnen und Publizisten, Journalisten und Intellektuelle, die meisten von ihnen als Juden und Gegner des Nationalsozialismus verfolgt wie er.

In der Ausstellung „Report from Exile – Fotografien von Fred Stein“ zeigt das Deutsche Historische Museum vom 11. Dezember 2020 bis 20. Juni 2021 Steins Porträts und Stadtansichten aus den 1930er bis 1960er Jahren erstmals in einem politisch-historischen Zusammenhang und rückt den Kontext, in dem Stein seine Aufnahmen machte – etwa auf dem Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur 1935 oder im Umfeld des Schutzverbands deutscher Schriftsteller im Ausland – in den Fokus.

Die Werkschau zeichnet anhand von rund 160 Porträtaufnahmen sowie Presse- und Straßenfotografien Steins beruflichen Weg vom talentierten Autodidakten zu einem wichtigen Chronisten und Porträtisten deutschsprachiger Emigrantinnen und Exilanten – darunter Hannah Arendt, Willy Brandt, Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Klaus Mann und Anna Seghers – nach.

Die Ausstellung befragt hierfür das Fred Stein Archive, den Nachlass des Fotografen, als eine bislang kaum erschlossene Quelle fotografischer Dokumente der deutschsprachigen Emigration. Briefe, Dokumente und Publikationen aus der DHM-Sammlung, dem Archiv der Akademie der Künste und weiteren Beständen verdeutlichen neben dem künstlerischen Wert der Fotografien auch ihre historisch-politische Dimension und geben Einblick in die vielfältigen politischen und kulturellen Aktivitäten der porträtierten Intellektuellen.

„Bekannt bin ich vor allem mit meinen Porträts geworden“

Der Dresdener Fred Stein wurde im Juni 1933 als Jude aus dem sächsischen Justizdienst entlassen und musste im Herbst 1933 aus Deutschland fliehen. In Paris begann er mit einer handlichen Leica als Porträt- und Pressefotograf zu arbeiten und gehörte damit zu den zahlreichen autodidaktischen jüdischen Fotografinnen und Fotografen. In eindringlichen politischen und sozial-dokumentarischen Fotografien richtete der Sozialist Stein seine Kamera auf die Menschen am Rande der Gesellschaft: Seine Fotoserien dokumentierten Armut, Obdachlosigkeit und soziale Missstände, den Alltag von Flüchtlingskindern des Spanischen Bürgerkriegs, aber auch jüdisches Leben in Paris. Zwischen 1934 und 1939 entstanden in der französischen Hauptstadt, dem Zentrum der deutschsprachigen Geflüchteten, zahlreiche Aufnahmen prominenter Intellektueller, die sich hier ein Netzwerk geschaffen hatten.

Nach der erneuten Flucht 1941 nach New York nahm Stein die Straßenfotografie wieder auf und erkundete im quadratischen Sucher seiner Rolleiflex-Kamera die Millionenstadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner. In den USA führte Stein auch seine Porträts emigrierter und geflüchteter Schriftstellerinnen und Künstler fort und trug die nach eigenen Worten „größte Sammlung von Fotos solcher Autoren, die ein Fotograf je selbst gemacht hat“ zusammen.

Fred Steins Arbeiten wurden in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften publiziert und mehrfach ausgestellt: Anhand von ausgewählten Beispielen zeigt die Ausstellung auch, wie der studierte Jurist die Durchsetzung seiner Urheberrechte immer wieder erkämpfen musste, um den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen.