Zeughauskino Programmvorschau
Januar bis März 2020
Im ersten Quartal 2020 finden im Zeughauskino unter anderem die folgenden Retrospektiven statt. Pressemitteilungen mit weiteren Angaben zu den Programmen werden ab Anfang Januar folgen.
Zwischen Polit-Komödie und Gesellschafts-Satire
7. Januar bis 20. Februar 2020
Film im Kraftfeld zwischen Politik, Kritik und Komik war das Thema der 16. Ausgabe des Internationalen Festivals des deutschen Film-Erbes, das im vergangenen November in Hamburg stattfand. Im Zeughauskino präsentieren wir eine Auswahl des deutschsprachigen Programms, ergänzt um weitere interessante Polit-Komödien und Gesellschafts-Satiren. Das weite Spektrum reicht von Persiflagen auf das Beamtentum und die Obrigkeitshörigkeit aus der Zeit der Weimarer Republik über Filme, die die Möglichkeiten satirischer Inszenierung in den beiden deutschen Diktaturen ausloteten, und den Versuchen eines Neustarts des deutschen Films aus dem Geist der Filmsatire in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis hin zu kabarettistischen Einlagen über die Wirtschaftswunderzeit und grotesken Mentalitätsstudien der späteren Bundesrepublik. Satire dürfe alles, forderte Kurt Tucholsky. Unser Programm zeigt, was möglich war.
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Abweichungen
Dokumentarfilme von Jochen Kraußer
9. bis 18. Januar 2020
Die Filme Jochen Kraußers weichen ab: vom normalen Blick, von den Normen des DEFA-Dokumentarfilms, von Erwartungen der Zuschauer und vom Alltäglichen jeglicher Couleur. Kraußer schaut auf die Ränder der Gesellschaft, auf Menschen, die nicht im öffentlichen Interesse stehen, auf sogenannte Außenseiter, altersweise Geschichtenerzähler, Lebenskünstler und er entnimmt dem Alltag Details, die der Wirklichkeit ihren doppelten Boden entlocken. Kraußer erfreut sich am Skurrilen und lässt den Zuschauer an den Schönheiten teilhaben, die er im Absurden und Absonderlichen zu finden vermag. Das Erwartbare wird dabei getäuscht und subversiv unterlaufen. Gerade das macht das Widerständige in Kraußers Filmen aus. Dafür mischen sie unbekümmert Dokumentarisches mit Inszeniertem. Das von Günter Agde kuratierte Programm Abweichungen präsentiert die bisher umfassendste Werkschau des Regisseurs. Für seine Unterstützung danken wir dem Deutschen Rundfunkarchiv.
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„Am Anfang war das Wort.“
Werkschau Pavel Juráček
24. Januar bis 18. Februar 2020
„Am Anfang war das Wort. Das heißt der Gedanke.“ Mit einem Bibelzitat beginnt der Drehbuchautor und Regisseur Pavel Juráček einen Text über das Drehbuchschreiben, und er erläutert: „Ein Drehbuch ist eine Absicht, und je detaillierter, je genauer die Absicht zu Beginn des Werkes ist, desto größer ist die Hoffnung, dass das Werk die Erwartungen erfüllt.“ An den tschechoslowakischen Film hatte Pavel Juráček (1935–1989) große Erwartungen. In den 1960er Jahren war er einer seiner maßgeblichen Erneuerer. Juráček beherrschte nicht nur unterschiedliche Stoffe und Genres, von Dramen der Gegenwart bis zum Science-Fiction- oder Historienfilm, seine Werke zeichnen sich auch durch hintersinnigen Humor, intellektuelle Vielschichtigkeit und eine bisweilen prophetisch wirkende Klarsicht aus. Die Retrospektive „Am Anfang war das Wort.“, die in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum Berlin und mit Unterstützung durch das Nationale Filmarchiv Prag entsteht, berücksichtigt alle Facetten von Juráčeks Werk.
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Kolm/Fleck/Hegewald
Ein Wiener Regie-Ehepaar und seine Berliner Produzentin
3. bis 29. März 2020
Die 1873 geborene Wienerin Louise Kolm-Fleck gehört zu den Pionierinnen des österreichischen Films und weltweit zu den ersten Frauen, die Regie führten. Zusammen mit Jakob Fleck und ihrem Ehemann Anton Kolm ist sie ab 1910 am Aufbau der österreichischen Filmindustrie beteiligt. Sie gründet Produktionsfirmen, verfasst Drehbücher und führt Regie. Als Anton Kolm 1922 stirbt, setzt sie die Zusammenarbeit mit ihrem Firmenpartner Jakob Fleck fort. Zwei Jahre später heiraten die beiden und machen als „Regie-Ehepaar“ von sich reden.
In Deutschland, wo das Ehepaar Fleck seit 1926 lebt, entstehen bis 1931 25 Filme, vor allem für die Berliner Hegewald-Film, deren Produktionspalette die Flecks erweitern. Es entstehen Literaturverfilmungen wie Der Meineidbauer (1926), Wienfilme und Adaptionen von aktuellen Operettenerfolgen, etwa Der Orlow (1927). Mit den Titeln Frauenarzt Dr. Schäfer (1928) und Das Recht auf Liebe (1929) bedienen sie zudem die Mode der Problemfilme. Die Retrospektive Kolm/Fleck/Hegewald folgt einer Wiederentdeckung der Filme von Louise Kolm-Fleck auf der letztjährigen Viennale, wo das Filmarchiv Austria Neurestaurierungen von sechs Produktionen der Hegewald-Film präsentierte. Wir freuen uns, dass diese Kopien nun erstmals auch in Berlin zu sehen sind und danken dem Filmarchiv Austria für die Zusammenarbeit.
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La Factoría Querejeta
Elías Querejeta und das spanische Kino, 1963-1998
4. bis 31. März 2020
Elías Querejeta, einer der einflussreichsten Produzenten des spanischen Films, ist hierzulande weitgehend unbekannt – anders als einige seiner Filme, die auf internationalen Filmfestivals Premiere feierten und oft ausgezeichnet wurden. Vor allem seine in Zusammenarbeit mit Carlos Saura entstandenen Arbeiten wie La caza und Cría cuervos werden auch in Deutschland als wichtige Werke des modernen spanischen Films geschätzt. Neben seiner Tätigkeit als Produzent war Elías Querejeta bei nicht weniger als 22 Filmen als Co-Autor beteiligt. Anfang der 1960er Jahre versammelte er Gleichgesinnte um sich, mit vielen arbeitete er über ein Jahrzehnt zusammen. 1963 wurde die Elías Querejeta Producciones Cinematográficas gegründet, die als Factoría Querejeta (Manufaktur Querejeta) in die spanische Filmgeschichte eingegangen ist. Nicht zuletzt dank der Unterstützung durch den progressiven Filmreferenten des spanischen Informationsministeriums José María Garcia Escudero prägte Elías Querejeta wesentlich die Entwicklung des Nuevo Cine Español, zu dessen innovativsten Pionieren er zu zählen ist. Die von Petra Palmer kuratierte Retrospektive, die in Zusammenarbeit mit der Spanischen Botschaft, dem Instituto Cervantes und mit Unterstützung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entsteht, präsentiert eine Auswahl seiner Arbeiten.
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Aus dem Fernseharchiv: Gabi Kubach
19. Januar bis 13. März 2020
Im ersten Quartal 2020 präsentiert die Reihe Aus dem Fernseharchiv drei Arbeiten von Gabi Kubach, die im Oktober 2019 ihren 75. Geburtstag feierte. Ausgebildet an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, wo sie 1967 zu den ersten Studentinnen gehörte, schrieb sie gemeinsam mit Axel Block, Melanie Walz und Regisseur Peter F. Bringmann das Drehbuch zu dem 1973/74 entstandenen Umweltdrama Kein Grund zur Unruhe. Auch ihr zweiter abendfüllender Film Das Ende der Beherrschung (wie alle drei hier gezeigten Arbeiten nach eigenem Drehbuch entstanden) erregte seinerzeit viel Aufmerksamkeit. Danach teilte Gabi Kubach jedoch das Schicksal vieler Filmschaffender, die ausschließlich für das Fernsehen arbeiteten: Obwohl über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich tätig, wurde sie von der Kritik und erst recht von der Filmgeschichtsschreibung kaum mehr beachtet. Aus dem Fernseharchiv ist eine Kooperation mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.
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