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Wilhelm und Alexander von Humboldt werden heute als deutsche Kosmopoliten gefeiert. Sie verkörpern die Errungenschaften öffentlicher Bildung, eine neue Sicht auf die Natur und den unvoreingenommenen Blick auf die Kulturen 
jenseits Europas. Ihre Biografien sind jedoch auch von den Gegensätzen ihrer Zeit geprägt: Dem in der Aufklärung entworfenen Bild der Gleichheit der Menschen stehen Kolonialismus und Sklaverei entgegen. Die Neuentdeckung der Natur geht aber auch mit ihrer Beherrschung und Zerstörung einher, ebenso verhindern internationaler Austausch und Kooperation nicht die nationale Abgrenzung.  
Das Deutsche Historische Museum zeigt ab dem 21. November 2019 die erste große Ausstellung über Wilhelm und Alexander von Humboldt in Deutschland. Auf 1.000 Quadratmetern verortet sie die Brüder als Europäer im Kontext der Herausforderungen und Chancen ihrer Zeit. Anhand von etwa 350 Objekten – darunter Leihgaben aus den Vatikanischen Sammlungen, dem Louvre, dem British Museum und Windsor Castle – blicken die Kuratoren Bénédicte Savoy und David Blankenstein in einer transnationalen Perspektive auf die gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Verhandlungs- und Gestaltungsräume, die sich den Brüdern Humboldt und ihrer Generation seit dem späten 18. Jahrhundert eröffneten. Ausgehend von den sehr unterschiedlichen Lebenswegen Wilhelm und Alexander von Humboldts verdeutlicht die Ausstellung das Verhältnis von Wissen und Macht, Reisen und Erkenntnis, Mensch und Natur. Vor dem Hintergrund der politischen, technischen und kulturellen Entwicklungen des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts untersucht sie, wie sich die Perspektive auf den Menschen und seine Umwelt unter dem Einfluss der Wissenschaft und einem neuen Bewusstsein für die Geschichte veränderten. 
Der Blick auf die Brüder Humboldt und ihre Zeit lässt bestimmte Fragen besonders hervortreten: Wie definiert sich der Mensch angesichts einer sich rapide verändernden Erfahrung von Raum und Zeit neu? Welche Rolle spielt die individuelle, körperliche und sinnliche Erfahrung im Bezug des Menschen zur Welt? Wie wird in Zeiten instabiler politischer Konstellationen über die Form der Gesellschaft verhandelt? 


„Die Brüder Humboldt stehen für Urteilskraft, diplomatisches Geschick und wissenschaftliche Neugier. In ihren Biografien zeigen sich aber auch die problematischen Züge und Zwänge wissenschaftlicher Forschung und des von ihnen geprägten Ideals der Bildung. Bis heute sind Werk und Biografie für uns eine starke Herausforderung, dem wollen wir uns in der Ausstellung widmen“, so Prof. Dr. Raphael Gross, Präsident des Deutschen Historischen Museums.