Zwei Brüder, eine Ausstellung: „Wilhelm und Alexander von Humboldt“ im Deutschen Historischen Museum
21. November 2019 bis 19. April 2020
Wilhelm und Alexander von Humboldt
werden heute als deutsche Kosmopoliten
gefeiert. Sie verkörpern die Errungen-
schaften öffentlicher Bildung, eine neue
Sicht auf die Natur und den unvorein-
genommenen Blick auf die Kulturen
jenseits Europas. Ihre Biografien sind
jedoch auch von den Gegensätzen ihrer
Zeit geprägt: Dem in der Aufklärung
entworfenen Bild der Gleichheit der
Menschen stehen Kolonialismus und
Sklaverei entgegen. Die Neuentdeckung
der Natur geht aber auch mit ihrer
Beherrschung und Zerstörung einher,
ebenso verhindern internationaler
Austausch und Kooperation nicht die
nationale Abgrenzung.
Das Deutsche Historische Museum zeigt ab dem 21. November 2019 die erste
große Ausstellung über Wilhelm und Alexander von Humboldt in Deutschland.
Auf 1.000 Quadratmetern verortet sie die Brüder als Europäer im Kontext der
Herausforderungen und Chancen ihrer Zeit. Anhand von etwa 350 Objekten –
darunter Leihgaben aus den Vatikanischen Sammlungen, dem Louvre, dem British
Museum und Windsor Castle – blicken die Kuratoren Bénédicte Savoy und David
Blankenstein in einer transnationalen Perspektive auf die gesellschaftlichen,
politischen und wissenschaftlichen Verhandlungs- und Gestaltungsräume, die sich
den Brüdern Humboldt und ihrer Generation seit dem späten 18. Jahrhundert
eröffneten. Ausgehend von den sehr unterschiedlichen Lebenswegen Wilhelm und
Alexander von Humboldts verdeutlicht die Ausstellung das Verhältnis von Wissen
und Macht, Reisen und Erkenntnis, Mensch und Natur. Vor dem Hintergrund der
politischen, technischen und kulturellen Entwicklungen des ausgehenden 18. und
frühen 19. Jahrhunderts untersucht sie, wie sich die Perspektive auf den Menschen
und seine Umwelt unter dem Einfluss der Wissenschaft und einem neuen
Bewusstsein für die Geschichte veränderten.
Der Blick auf die Brüder Humboldt und ihre Zeit lässt bestimmte Fragen besonders
hervortreten: Wie definiert sich der Mensch angesichts einer sich rapide
verändernden Erfahrung von Raum und Zeit neu? Welche Rolle spielt die
individuelle, körperliche und sinnliche Erfahrung im Bezug des Menschen zur Welt?
Wie wird in Zeiten instabiler politischer Konstellationen über die Form der
Gesellschaft verhandelt?
„Die Brüder Humboldt stehen für Urteilskraft, diplomatisches Geschick und
wissenschaftliche Neugier. In ihren Biografien zeigen sich aber auch die
problematischen Züge und Zwänge wissenschaftlicher Forschung und des von
ihnen geprägten Ideals der Bildung. Bis heute sind Werk und Biografie für uns eine
starke Herausforderung, dem wollen wir uns in der Ausstellung widmen“, so Prof.
Dr. Raphael Gross, Präsident des Deutschen Historischen Museums.