Bildberichterstatterin, Deutschland 1941, © Deutsches Historisches Museum

Geschichte der Sammlung

1991 gründete das Deutsche Historische Museum (DHM) sein Bildarchiv. Anlass dazu gab die Notwendigkeit, ein zentrales und systematisches Bildarchiv für die seit 1987 entstandenen Fotografien von Sammlungsgegenständen anzulegen. Die Übernahme der Sammlungen des Museums für Deutsche Geschichte der DDR brachte eine ebenfalls dezentral gesammelte Objektdokumentation zum Vorschein. Die Ablagesystematik orientierte sich an den Epochen und innerhalb der Epochen nach ikonografischen Schlagworten.

Neben der Einarbeitung der Objektbestände wurde durch Ankäufe von Pressebildagenturen und Fotonachlässen von Pressefotografen eine eigne Sammlung an zeitgeschichtlicher Fotografie angelegt.

Durch den Ankauf des Negativbestandes des Fotografen Gerhard Gronefeld hatte die Sammlung schon 1990 ca. 50.000 Motive aus der Zeit von 1936 bis 1965 erhalten, insbesondere aus dem Zweiten Weltkrieg, da Gronefeld Mitglied der „Propagdana-Kompanie“ der Wehrmacht gewesen war, sowie den besetzten Gebieten und der Nachkriegszeit in Berlin. Nach seinem Umzug 1948 nach Westdeutschland dokumentierte der Fotograf dort das gesellschaftliche und politische Leben bis 1965. In den Jahren danach wandte er sich der Tierfotografie vor allem in Afrika zu.

1991 konnte eine Auswahl von Negativen von Liselotte Orgel-Köhne erworben werden, die besonders mit Motiven des Frauenalltags im Nationalsozialismus vertreten ist. Die zusätzliche damit erworbenen Prints werden in der Fotosammlung bewahrt.

Des Weiteren konnten Fotonachlässe erworben werden, die insbesondere das Alltagsleben der DDR festhielten. Dazu zählen 1992 der Nachlass von Martin Schmidt, der das Leben in der DDR von 1958 bis 1989 thematisiert, wie auch die Fotografien des Westberliners Klaus Lehnartz. Seine fotografische Dokumentation der DDR zwischen 1961 und 1989 kam 1995 in unseren Bestand.

In diese Zeit fällt auch der Erwerb zweier wichtiger Agenturarchive: 1992 konnten zuerst das Archiv der Agentur Schirner und 1995 Restbestände aus der Agentur Schostal angekauft werden. Die Agentur ‚Sportbild Schirner’ (bis 1930 Schirner Pressebild Berlin) zählte zu den offiziellen Berichterstattern der Olympischen Spiele 1936. Neben dem Sportgeschehen, das den Schwerpunkt des Bestandes ausmacht, finden sich insbesondere Dokumentationen zur Zeit- und Kulturgeschichte der BRD. Der Bildbestand der Pressebildagentur Schostal dagegen ist sehr vielfältig und illustriert alle möglichen Themen zwischen Kultur, Mode, Glamour und Werbung. Das DHM hat nur den Pressefotobestand der Agentur erworben.

1996 kam das Raumbild-Archiv der Stereofotografie von Otto Wilhelm Schönstein hinzu. Der offizielle Fotograf Hitlers Heinrich Hoffmann, der sich in den Raumbild-Verlag eingekauft hatte, bestimmte dessen inhaltliche Ausrichtung, so dass durch diesen engen Bezug zum Dritten Reich das vollständig erhalten gebliebene Archiv heute ein einmaliges Dokument des politischen Zeitgeschehens darstellt.

Das Negativarchiv von Hans Hartz mit seiner über 10.000 Städtepostkarten befindet sich seit 1997 im DHM. Der „Mr. Postcard“ genannte Fotograf hatte sich in seiner über 40-jährigen Berufstätigkeit auf Stadtansichten und Landschaftspanoramen spezialisiert, die er auch als Ansichtsgrußkarten verkaufte. Neben der hohen künstlerischen Qualität der Fotos liegt ihr besondere Reiz in der Widerholung der Motive, die eine Chronologie der Veränderungen von Orten und Bauwerken fassbar macht.

Mit dem Fotoarchiv des Kurt Schwarzer konnte 2002 ein weiteres wichtiges Konvolut zur Alltagsgeschichte der DDR erworben werden.

Durch den Ankauf des 11.500 Stereofotografien umfassenden Archivs des „Kaiserpanoramas“ 2005 besitzt das DHM die größte Sammlung an Stereofotografie in Deutschland. Zurzeit erfolgt die Digitalisierung des Archivs – nicht nur um die empfindlichen Fotografien dauerhaft zu schützen und zu bewahren, sondern auch um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.