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SCHREIBTISCH

Was erzählt ein Schreibtisch über seinen Besitzer? Alexander von Humboldts Schreibtisch ist schlicht, aus Birkenholz und mit gewachster Leinwand bedeckt, er hat zwei große Schubladen und ein abnehmbares Zeichenbrett. Humboldt kaufte ihn 1827 unmittelbar nach seiner Übersiedlung von Paris nach Berlin und nutzte ihn über 30 Jahre lang bis zu seinem Tod 1859 – unter anderem für die Anfertigung des zweiten Teils seiner Kosmos-Vorlesungsreihe.

Nach seinem Tod vermachte Humboldt den Inhalt seiner mit Büchern, Karten, Manuskripten, Möbeln und ausgestopften Tieren gefüllten Wohnung seinem langjährigen Diener Johann Seifert als Altersvorsorge. Da sich keine Institution bereit erklärte, das Konvolut vollständig zu erwerben, wurden Humboldts persönliche Gegenstände im Dezember 1860 öffentlich versteigert. Der Schreibtisch wurde dabei für 150 Taler nach Belgien verkauft. Der neue Besitzer, ein niederländischer Gelehrter portugiesischer Herkunft und jüdischen Glaubens, stellte den Schreibtisch im Oktober 1860 zunächst in seiner eigenen Wohnung und später im Amsterdamer Zoo aus. Einige Jahre später übergab der neue Besitzer Tisch und Schreibgeräte an die Pariser Académie des Sciences, die sie 1883 in die Pariser Sternwarte überführte – an jenen Ort, wo Humboldt nach eigener Auskunft die schönsten Nächte seines Lebens verbracht hatte.

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LAMA

Zusammen mit einer kleinen Reisegesellschaft durchquerte Alexander von Humboldt Gebiete wie das heutige Venezuela, Peru, Mexiko, Ecuador und Kuba. Anders als bei ähnlichen Expeditionen üblich, begleitete die Gruppe kein professioneller Reisezeichner. Stattdessen dokumentierte Humboldt seine Eindrücke in den meisten Fällen selbst. Dabei nutzte er Linienzeichnungen, die dem klassizistischen Geschmack seiner Zeit entsprechend die Natur in möglichst präzisen Konturen festhielten. Diese Zeichentechnik erlaubte zugleich die äußerst rasche Anfertigung von Skizzen. So entstanden in Alexander von Humboldts Amerikaaufzeichnungen etwa 450 Abbildungen von Landschaften, Pflanzen und Tieren.

Auch die um 1802 angefertigte Abbildung eines Lamas gehört zu diesem Konvolut. Sie ist am unteren Bildrand mit der Beschriftung „von Alexander von Humboldt“ versehen. Allerdings ist nicht eindeutig geklärt, ob es sich möglicherweise nur um eine Skizze nach Humboldt handelt. In jedem Fall nutzte der Maler Jean-Thomas Thibault die Zeichnung des Lamas für ein großes Landschaftsbild, in dem das Tier vor dem Vulkan Chimborazo zu erkennen ist. Vom Stecher Louis Bouquet in einen Kupferstich übertragen, fand diese Darstellung letztlich Aufnahme in das 1810 von Humboldt und Aimé Bonpland herausgegebene, aufwändig gestaltete Reisewerk Vues des Cordillères, et monumens des peuples indigènes de l’Amérique.

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