
Umstrittene Verwandtschaft
Koloniale und nationalsozialistische Gewalt
Das DHM plant für Oktober 2026 eine Ausstellung zum Vergleich zentraler Aspekte kolonialer und nationalsozialistischer Gewalt im 20. Jahrhundert. Die Ausstellung wird im Untergeschoss des Pei-Baus gezeigt.
Sie widmet sich der Geschichte einer Gegenüberstellung, die weit über die Geschichtswissenschaft hinausreicht. Diese ist nicht neu: Bereits in den frühen 1930er Jahren wurden Formen kolonialer und nationalsozialistischer Machtausübung zueinander in Beziehung gesetzt.
Im Zentrum stand dabei die Vorstellung einer engen „Verwandtschaft“ zweier historischer Gewaltregime, die sich in Zeit, Raum und Struktur deutlich voneinander unterscheiden: einerseits die über mehrere Jahrhunderte währende europäische Kolonialherrschaft und andererseits die kurze Phase nationalsozialistischer Herrschaft über Europa, in der Planung und Ausübung extremer Gewalt in radikaler Beschleunigung erfolgten.
Die Ausstellung erzählt die Geschichte dieses Vergleichs im Zeitraum von 1900 bis 1960. Sie beleuchtet zentrale Themenfelder, die in der Debatte eine Rolle spielten, und stellt historische Quellen zeitgenössischen wie späteren Deutungen gegenüber. International ausgerichtet, präsentiert sie Beispiele aus dem europäischen Kolonialismus und der nationalsozialistischen Herrschaft über Europa. Dargestellt werden einerseits zentrale Sachverhalte – etwa die Rolle von Rassismus, Antisemitismus, Zwangsarbeit, Konzentrationslagern und Widerstand –, die sachliche Vergleiche und das Erkennen von Besonderheiten erst ermöglichen. Andererseits untersucht sie die politische Verwendung solcher Parallelisierungen seit den 1930er Jahren.
Historische Vergleiche können der analytischen Schärfung dienen: Sie machen sowohl strukturelle Ähnlichkeiten als auch grundlegende Unterschiede sichtbar. Differenzen und Besonderheiten lassen sich auf diese Weise bestimmen. Die Ausstellung wird dabei aber auch Probleme und Grenzen des Vergleichs zum Thema machen.
Durch die Darstellung der Geschichte dieser Debatte und der ihr zugrunde liegenden historischen Sachverhalte möchte die Ausstellung zu einer sachlichen und differenzierten Auseinandersetzung beitragen.
Die Ausstellung wird von Dr. Stephan Malinowski kuratiert.
Bild: Rodung durch Grasbrand für wirtschaftliche und geopolitische Zwecke während einer deutschen Forschungsexpedition am Tendaguru in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania), 1909/1913, Fotograf: Edwin Hennig oder Werner Janensch © Berlin, Museum für Naturkunde