Modell eines menschlichen Auges
Modell eines menschlichen Auges im Behältnis
vermutlich Stephan Zick (1639–1715), Nürnberg, ca. 1700, Augenmodell: Elfenbein, Schildpatt, Horn, Glas, Nussbaumholz © Berlin, Deutsches Historisches Museum
Das Modell eines menschlichen Auges wurde vermutlich um 1700 vom Nürnberger Drechsler Stephan Zick gefertigt. Es entstand vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse der Optik, jener Wissenschaft, die sich mit Licht, seiner Ausbreitung und Wahrnehmung befasst. Das auf einem gedrechselten Fuß aus Nussbaumholz stehende Modell ist aufschraubbar und in acht Teile zerlegbar, die aus Elfenbein, Schildpatt vom Panzer einer Schildkröte, Horn und Glas bestehen. Augenmodelle dieser Art wurden auch von Ärzten „zum Nutz- und Lehrgebrauche in der Anatomie“ verwendet. Zick selbst gab die Schrift „Kurtze und mechanische Beschreibung Dieses Kunst-Auges” mit heraus, um seiner Erfindung wissenschaftliche Legitimität zu verleihen.
Das Objekt steht exemplarisch für den Wandel der Wissenschaften in der Frühaufklärung. Empirische Methoden wie Beobachtung, Messung und Experiment gewannen an Bedeutung, während religiöse Deutungen zunehmend in den Hintergrund traten. Dass etwas wie das menschliche Auge eine Schöpfung Gottes sei, war nun keine befriedigende Antwort; das Modell deutet auf zeitgenössische Versuche hin, das Organ in seinen Einzelteilen zu verstehen und dieses Verständnis in Taten umzusetzen.
weiterführende Links
- Stephan Zick, Johann Georg Volckamer und Daniel Bscherer (Hrsg.): Kurtze und mechanische Beschreibung Dieses Kunst-Auges (1680), online zur Verfügung gestellt durch die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
- Blog-Beitrag von Dr. Wolfgang Cortjaens vom 23. Oktober 2024: Augen-Blicke der Vernunft. Das „Kunst-Auge“ des Stephan Zick als Leitmotiv der Ausstellung
- Kurzbiografie des Kunstdrechslers Stephan Zick
- Objektbeschreibung des Modells eines menschlichen Ohres von Stephan Zick