Erfolgreiche Provenienzrecherche
Deutsches Historisches Museum restituiert Bronzerelief an die belgische Stadt Dinant
Nach gründlichen Provenienzrecherchen hat das Deutsche Historische Museum am heutigen Freitag, den 12. Juni 2026 ein Bronzerelief des belgischen Bildhauers Frans Huygelen (1878-1940) an die Stadt Dinant restituiert. In Anwesenheit des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland beim Königreich Belgien Martin Kotthaus und des Bürgermeisters von Dinant Richard Fournaux übergab DHM-Präsident Raphael Gross das Werk bei einer offiziellen Zeremonie in Dinant. Das um 1927 entstandene Relief ist Teil eines Denkmals in der belgischen Stadt, dessen Inschrift der Erschießung von belgischen Zivilistinnen und Zivilisten durch deutsche Soldaten zu Beginn des Ersten Weltkriegs am 23. August 1914 gewidmet ist.
Prof. Dr. Raphael Gross, Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum: „Dank intensiver Recherchen in unserer Sammlung konnte das Deutsche Historische Museum die Provenienzgeschichte des Bronzereliefs im Detail nachvollziehen und in Austausch mit den rechtmäßigen Eigentümern in Belgien treten. Es ist für das DHM ein wichtiges Anliegen, dass das Werk nun nach fast 100 Jahren an seinen ursprünglichen Ort in Dinant zurückkehrt. Umso mehr freue ich mich, bei der heutigen Gedenkzeremonie in Dinant anwesend zu sein.“
Richard Fournaux, Bürgermeister der Stadt Dinant: „Seit den Massakern und der Zerstörung der Stadt am 23. August 1914 fiel es den Einwohnern von Dinant schwer, sich resilient zu geben und die Beziehungen zum deutschen Volk wieder aufzubauen … obwohl wir alle zu Europäern geworden waren. Im Mai 2001 haben wir gemeinsam unsere Versöhnung gefeiert. Seitdem haben sich die Kontakte vervielfacht. Die Rückgabe des Bronzereliefs stellt eine neue, äußerst symbolträchtige und feierliche Etappe dar, die von der Intensität unserer von Respekt geprägten Beziehungen in unserer gemeinsamen Geschichte und von unserem Willen zeugt, gemeinsam Projekte im Dienste des Gemeinwohls zu verwirklichen.“
Martin Kotthaus, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland beim Königreich Belgien: „Über 670 Bewohner von Dinant starben 1914 durch die Hand deutscher Soldaten. Die Wunden des Massakers schmerzen bis heute. Sie wurden und werden nicht vergessen. Seit der Bitte um Vergebung durch den deutschen Staatssekretär Kolbow in Dinant 2001 gedenken wir jedes Jahr gemeinsam als Freunde der Opfer. Die glückliche Rückkehr des Bronzereliefs, welches seit 1927 an das Massaker erinnerte, mehr als 80 Jahre nach der Zerstörung des ursprünglichen Denkmals durch die Nazis, schließt eine Lücke in der Versöhnung zwischen Dinant, Belgien und Deutschland. Gerade heute, da wir wieder Hass und Gewalt im Osten unseres Kontinents sehen, müssen wir uns stets bewusst sein, dass Frieden und Versöhnung möglich, aber nicht selbstverständlich sind. Ein jeder von uns kann dazu beitragen. Jeden Tag. Ich bin als Deutscher Botschafter beim Königreich Belgien den Menschen in Dinant zutiefst dankbar für die ausgestreckte Hand und Freundschaft der letzten Jahrzehnte und freue mich sehr, dass das Bronzerelief am 12. Juni 2026 nach Hause kommt. Mein Dank gilt auch dem Deutschen Historischen Museum, welches das Relief gefunden und zurückgebracht hat.“
Ausgangspunkt für die proaktiven Provenienzrecherchen des DHM war eine aufgefundene Postkarte aus dem Jahr 1930, die das Bronzerelief als Teil eines Denkmals in der Nähe des Rocher Bayard-Felsens in der belgischen Stadt zeigt. Auf einem aktuelleren Foto aus dem Jahr 2014 ist das Denkmal mit der Inschrift, jedoch ohne das Bronzerelief zu sehen. Die Vermutung lag nahe, dass das identische Bronzerelief in der Sammlung des DHM der fehlende Teil des Denkmals in Dinant sein könnte. Mit der Übersendung von Archivalien aus Dinant konnte die Vermutung bestätigt werden, dass das Relief zur Zeit der deutschen Besatzung Belgiens während des Zweiten Weltkriegs 1942 auf Anweisung des deutschen Kriegskommandanten von Dinant und Philippeville entfernt worden war. Es ist zu vermuten, dass die Gedenktafel in das Berliner Zeughaus, dem damaligen Heeresmuseum des NS-Regimes, gebracht wurde. 1952 wurde im Zeughaus das neu gegründete Museum für Deutsche Geschichte (MfDG) als zentrales sozialistisches Geschichtsmuseum der DDR eröffnet. Die Spur des Reliefs konnte erst wieder im Zuge der Sammlungsrevision des Deutschen Historischen Museums aufgenommen werden: Mit der Wieder-vereinigung 1990 wurden das Zeughaus und die Sammlungen des MfDG dem drei Jahre zuvor in West‐Berlin gegründeten Deutschen Historischen Museum übertragen. Seitdem bemüht sich das DHM vielfach eigeninitiativ darum, die Voreigentümer von Sammlungsobjekten zu klären.

Relief von Frans Huygelen „Zur Erinnerung an Dinant“, um 1927, Bronze
© Deutsches Historisches Museum