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Mit Beiträgen von Nicholas Courtman und Sarah Mazouz

Die auf ethnische Differenz setzende Volkszugehörigkeit wurde im 20. und 21. Jahrhundert immer wieder gegen das Prinzip rechtlicher Gleichheit der Staatsangehörigkeit in Stellung gebracht. Wie verlief der Konflikt zwischen diesen beiden Ordnungsprinzipien politischer Zugehörigkeit – und wo koexistieren sie bis heute? Welche Bedeutung hat die Spannung zwischen ethnischer und staatlich-rechtlicher Zugehörigkeit für die Frage nach der Zulassung und Ausgestaltung doppelter Staatsangehörigkeit?

Nicholas Courtman ist Alfred Landecker Lecturer am King’s College London; sein dortiges Forschungsprojekt trägt den Titel „Staatsbürgerschaft nach Hitler: Kontinuität und Wandel im Staatsangehörigkeitsrecht und in der Einbürgerungspraxis der Bundesrepublik Deutschland seit 1949“. Er ist Mitautor eines Gutachtens zur kommunalen Einbürgerungspraxis und Wirksamkeit von Einbürgerungskampagnen in der Bundesrepublik Deutschland und war als Sachverständiger in Anhörungen zur Wiedergutmachungsgerechtigkeit im Staatsangehörigkeitsrecht im Innenausschuss des Deutschen Bundestages tätig.

Sarah Mazouz ist chargée de recherche am Centre national de la recherche scientifique (CNRS/CERAPS). Nach ihrer Dissertation über „Die Republik und Ihre Anderen. Politiken der Diskriminierung und Einbürgerungspraktiken im Frankreich der 2000er“ arbeitete sie u.a. am Berliner Centre Marc Bloch in dem Projekt „Dual Citizenship in Action. Construction of a (Trans)National Form“. Sie war Mitglied des Fachbeirats der Ausstellung „Staatsbürgerschaften. Frankreich, Polen, Deutschland seit 1789“ und trug zum Katalog den Text „Die doppelte Staatsangehörigkeit in der Praxis“ bei. Zuletzt erschienen die Essays „Race. Le mot est faible“ (Anamosa 2020) und „Pour l’intersectionalité“ (zus. m. Éléonore Lépinard, Anamosa 2021).

Staatsbürgerschaft vs. …

Staatsbürgerschaft entwickelte und entwickelt sich fortwährend in Auseinandersetzung mit konkurrierenden Prinzipien der Zugehörigkeit. Welche anderen Vorstellungen ideologischer, politischer und religiöser Zugehörigkeit haben „Staatsbürgerschaft“ und „Staatsangehörigkeit“ in Geschichte und Gegenwart herausgefordert und in Frage gestellt?

In der Reihe „Staatsbürgerschaft vs. …“ nehmen Historikerinnen und Juristen, Politikwissenschaftlerinnen und Soziologen an vier Abenden das Verhältnis zu konkurrierenden Ordnungsprinzipien in den Blick und diskutieren die Konfliktlinien, die anhand dieser Gegenentwürfe sichtbar werden. Dabei wird es darum gehen, Staatsbürgerschaft als eine historisch bedingte, nicht überzeitlich gegebene Form der Ordnung politischer Zugehörigkeit erkennbar zu machen.

Die Reihe wird von Dieter Gosewinkel, dem Kurator der Ausstellung „Staatsbürgerschaften. Frankreich, Polen, Deutschland seit 1789“, moderiert.

Weitere Veranstaltungen der Reihe „Staatsbürgerschaft vs. …“ finden Sie hier.