
Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt


Alfredo Gauro Ambrosi, Bombardement in Ostafrika, Trient, 1936 © Museo dell’aeronautica Gianni Caproni (Fondazione Museo storico del Trentino), C00222
Alfredo Gauro Ambrosi malte die Bombardierung im italienisch-abessinischen Krieg 1935/1936 im Stil der sogenannten aeropittura (Luftmalerei). Dabei verknüpfte er die Technikbegeisterung mit den Macht- und Überlegenheitsansprüchen der italienischen Faschisten.

C. L. R. James bei einer Kundgebung auf dem Trafalgar Square, London, 25. August 1935, Reproduktion, Keystone-France/Gamma-Keystone via Getty Images, K025939-A4
Im August 1935 sprach der karibische Intellektuelle C. L. R. James (1901–1989), Vorsitzender der International African Friends of Abyssinia, vor rund 500 Menschen und warnte vor dem drohenden italienischen Angriff auf Abessinien.

Schaftstiefel eines Angehörigen der Allgemeinen SS, Obersturmbannführer, Sturm 112, 1933–1935 © Deutsches Historisches Museum
Die schwarzen Schaftstiefel prägten das Erscheinungsbild von Angehörigen der SA und der SS. Sie stehen für Entschlossenheit und Gehorsam, aber auch für Gewalt und Unterdrückung von Gegnern.

Vladimír Matějka, „Gehorsam“ aus dem neunteiligen Zyklus „Es gibt einen Weg zur Freiheit…“, Příbram, nach 1945 © Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Oranienburg, IV 208
1939 prägte Heinrich Himmler (1900–1945) den zynischen Sinnspruch „[...] es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heissen: Gehorsam, Fleiss, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und Liebe zum Vaterlande!“ Er versprach den Häftlingen eine Entlassung aus dem Konzentrationslager. Tatsächlich geschah dies mit Beginn des Weltkriegs immer weniger. Vladimír Matějka, ehemaliger Häftling der KZ Sachsenhausen und Dachau, schuf nach der Rückkehr aus der Haft im Auftrag von Mithäftlingen den neunteiligen Zyklus über Himmlers Propagandalüge. Diesen bettete er in Szenen des Häftlingsalltags im KZ Sachsenhausen ein.

Nilpferdfuß aus Ostafrika, präpariert als Zigarrenbehälter, Pelzwaren-Konfektion „Max Erler“, Leipzig, ca. 1915 © Museum der Stadt Lünen, L 074
Diesen Nilpferdfuß ließ der Kolonialbeamte Ernst Goormann in Leipzig vom Hoflieferanten Max Erler zu einem „Cigarrenbehälter“ präparieren. Die drei anderen Füße des auf einer Großwildjagd in Ostafrika geschossenen Nilpferdes wurden zu zwei Blumentöpfen und einem Weinkühler verarbeitet.

Nilpferdfuß aus Ostafrika, präpariert als Zigarrenbehälter, Pelzwaren-Konfektion „Max Erler“, Leipzig, ca. 1915 © Museum der Stadt Lünen, L 074
Diesen Nilpferdfuß ließ der Kolonialbeamte Ernst Goormann in Leipzig vom Hoflieferanten Max Erler zu einem „Cigarrenbehälter“ präparieren. Die drei anderen Füße des auf einer Großwildjagd in Ostafrika geschossenen Nilpferdes wurden zu zwei Blumentöpfen und einem Weinkühler verarbeitet.

Rodung durch Grasbrand am Tendaguru in Deutsch-Ostafrika während einer deutschen Forschungsexpedition, 1909–1913, Fotograf: Edwin Hennig oder Werner Janensch, Berlin, Archiv Museum für Naturkunde, K 002, 414
Mitglieder einer Expedition, die der Ausgrabung und Mitnahme von Saurierskeletten galt, beobachteten die Brandrodung. Später empfahl Expeditionsleiter Edwin Hennig die Effizienz der Methode für die Erschließung und Beherrschung kolonialer Natur.

Postkarte mit „Askari“ und der deutschen Reichsflagge, ca. 1910 © Deutsches Historisches Museum
Afrikanische Soldaten der deutschen Kolonialtruppen in Deutsch-Ostafrika wurden „Askari“ genannt. Da deutsche und europäische Einheiten in den Kolonien zahlenmäßig unterlegen waren, rekrutierten sie ab 1884 Soldaten an der Ostküste Afrikas sowie im Sudan und Ägypten.

Wasserflasche eines Herero, 1885-1904 © Ethnologische Sammlung des Museums Natur und Mensch – Museen Freiburg, Foto: Axel Killian
Nach der Schlacht am Waterberg flohen die Herero in die Omaheke-Wüste. Andere Wege waren militärisch versperrt. Deutsche Truppen riegelten Wasserstellen ab und verhinderten die Rückkehr der Männer, Frauen und Kinder. Zehntausende starben an Durst, Erschöpfung, Hunger und Verfolgung.

Flugblatt „Vivre libre ou mourir“ (Frei leben oder sterben), London, 1944 © Lyon, Centre d’Histoire de la Résistance et de la Déportation, 1966.614.3
Auf dem Flugblatt ist die französische Flagge, das Lothringer Kreuz und die Marianne abgebildet. Mit diesen Nationalsymbolen und der Parole aus der Französischen Revolution wurde zum Widerstand gegen die deutsche Besatzung aufgerufen.
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