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Acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lädt das Dokumentationszentrum „Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzung in Europa“ (ZWBE) zu einer Gesprächsreihe über die Folgen und Nachwirkungen von Krieg und deutscher Besatzung in Europa heute ein. Prominente Gäste – darunter Altbundespräsident Joachim Gauck, der frühere deutsche Botschafter in Moskau, Rüdiger von Fritsch, die russische Friedensnobelpreisträgerin Irina Scherbakowa, der Publizist Michel Friedman, der Schriftsteller Robert Menasse und die Sicherheitsexpertin Claudia Major – widmen sich dem Erbe der Besatzungsherrschaft in den Gesellschaften der ehemals besetzten Länder und diskutieren, ob und wie es das Verhältnis der Europäerinnen und Europäer untereinander und ein gemeinsames politisches Handeln heute beeinflusst.

Die von Sabine Adler (Deutschlandfunk) moderierte Gesprächsreihe findet von Mai bis November 2026 an fünf Abenden im Deutschen Historischen Museum statt, unter dessen Dach das ZWBE entsteht. Die Einrichtung des ZWBE geht auf einen Entschluss des Deutschen Bundestages im Oktober 2020 zurück, der damit Initiativen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik aufgriff, die bis heute nachwirkenden Erfahrungen der von Deutschland besetzten Länder in ganz Europa umfassend zu würdigen. Vor dem Hintergrund globaler Umwälzungen fragt die Gesprächsreihe auch nach Aktualität und Bedeutung des erinnerungspolitisch zentralen Vorhabens, das seit sechs Jahren auf seine Realisierung wartet. Die eintrittsfreie Veranstaltungsreihe wird aufgezeichnet und ist anschließend digital abrufbar.


Alle Termine der Veranstaltungsreihe „Legacies of Occupation. Nationalsozialismus und europäische Gegenwart“:

Die Aktualität des Krieges
18.5.26, 18.30 Uhr, DHM
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat auch den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion in Erinnerung gerufen. Welche Bedeutung hat diese historische Erfahrung für die Gegenwart und wie treten wir ihrer Instrumentalisierung entgegen?

Begrüßung: Raphael Gross, Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum
Mit Joachim Gauck und Rüdiger von Fritsch


Disparate Erinnerungen?
27.5.26, 18.30 Uhr, DHM
Deutschland begreift sich als plurale Gesellschaft in der Mitte Europas. Doch wie sieht der Umgang mit unterschiedlichen Erfahrungen in Bezug auf die nationalsozialistischen Verbrechen tatsächlich aus? Wie kann ein Gespräch über Differenzen hinweg gelingen?

Mit Güner Yasemin Balcı, Michel Friedman und Dotschy Reinhardt


Biografie und Gewalt
24.6.26, 18.30 Uhr, DHM
In Lebensgeschichten eröffnet sich eine komplexe Sicht auf Gewalt, die in geschlossenen Geschichtsdarstellungen oft verloren geht. Wie wirken diese Erfahrungen über lange Zeiträume, in Familiengedächtnissen, fort? Und was geschieht, wenn sich unterschiedliche Gewalterfahrungen überlagern?

Mit Helena Janeczek und Irina Scherbakowa


Erosion der Nachkriegsordnung
28.10.26, 18.30 Uhr, DHM
Die nach 1945 entstandene internationale Ordnung zerfällt zunehmend. Sind die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg obsolet? Wie können sie neu gedacht werden, um angesichts aktueller Krisen weiterhin Orientierung zu bieten?

Mit Ivan Krastev, Claudia Major und Robert Menasse


Unbeglichene Schulden?
25.11.26, 18.30 Uhr, DHM
Die Ausbeutungspolitik der deutschen Besatzung – Raub, Zerstörung, Zwangsarbeit und Mord – hinterließ in den betroffenen Ländern tiefe Wunden. Wie prägte dies die Nachkriegsökonomie Europas auf lange Sicht? Wie werden heutige Reparations- und Restitutionsforderungen diskutiert?

Mit Isabel Heinemann, Elisabeth Steiner und Bartosz T. Wieliński


Alle Veranstaltungen in deutscher Sprache, teils mit Simultanübersetzung.

Der Eintritt ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist erforderlich unter www.dhm.de/legacies-of-occupation; dort sind im Anschluss auch die Videoaufzeichnungen der Veranstaltungsreihe abrufbar.



Dokumentationszentrum „Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzung in Europa“

Zwischen 1939 und 1945 lebten mehr als 230 Millionen Menschen in heute über 30 Staaten unter deutscher Besatzung. Das dadurch verursachte Leid ist in diesen Ländern bis heute Teil der kollektiven Erinnerung, während es in Deutschland selbst oft nur bruchstückhaft präsent ist.

Vor diesem Hintergrund will das ZWBE erstmals die gesamteuropäische Dimension der deutschen Besatzung vermitteln, dem Gedenken an die Opfer Raum geben sowie die Grundlagen der Verständigung und des gemeinsamen Handelns in Europa stärken. Das ZWBE geht auf eine Initiative des Deutschen Bundestags zurück, der 2023 den Realisierungsvorschlag des DHM angenommen hat.

Weitere Informationen zum ZWBE unter www.dhm.de/zwbe


Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an: Katja Tichomirova, +493020304454, tichomirova@dhm.de