„Charakterkopf“-Zeichnungen

© Berlin, Deutsches Historisches Museum/Sandra Kühnapfel
Die Zeichnungen sind als Ergebnis der Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern des sonderpädagogischen Förderzentrums Finkenkrug-Schule in Berlin-Wilmersdorf mit den „Charakterköpfen“ von Franz Xaver Messerschmidt entstanden. Sie interpretierten die überbetonten Gesichtsausdrücke von Messerschmidts Kopfskulpturen mit eigenen künstlerischen Mitteln neu.
Messerschmidt schuf eine Reihe von Büsten, die mit ihren lebendigen Gesichtsausdrücken und beinahe grotesken Mienen als ausdrucksstarke Darstellungen körperlicher und emotionaler Zustände des Menschen gelten. Im späten 18. Jahrhundert wurden die Skulpturen als „Charakterköpfe“ bezeichnet und als Ausdruck von Individualität, menschlichen Affekten und physiognomischen Zuständen interpretiert. Messerschmidt, der sein eigenes Gesicht mit unterschiedlichsten Gesichtsausdrücken porträtierte, hatte hingegen vielmehr mit Darstellungsmöglichkeiten von Individuen und ihren Emotionszuständen experimentiert.
Die Oberstufenklasse 5 der Finkenkrug-Schule beschäftigte sich im Schuljahr 2023/2024 mit dem Thema Individualität und Emotionen und setzte sich auch mit den Ideen der Aufklärung auseinander. Im Unterricht thematisierten sie die Ereignisse der Epoche und lernten im Rahmen des Outreach-Projekts des Deutschen Historischen Museums Messerschmidts Werk kennen, von dem zwei Skulpturen in der Ausstellung „Was ist Aufklärung?“ gezeigt wurden. Inspiriert durch Abbildungen und zwei für das Projekt angefertigte Kopien der im Wiener Belvedere Museum aufbewahrten Köpfe entwickelten sie einen eigenen kreativen Zugang zum Thema. Mit Wasserfarben gestalteten die Schülerinnen und Schüler farbenfrohe Porträts, die diese Form der Auseinandersetzung mit Individualität vergegenwärtigen.
Interne Links
- Themen: Kindheit und Erziehung
- Objekte: Augenmodell, Naturmensch
- Produkte: Tastrelief „Charakterkopf“, Holunderbücher
Weiterführende Materialien
- Beitrag von Brigitte Vogel und Verena Günther: Barrieren abbauen auf bewährten und neuen Wegen
- Johann-August-Zeune-Schule für Blinde