Digitales Museum der Aufklärung

Fürstliche Wunderkammern waren in der Frühen Neuzeit Orte des Staunens: Kostbares, Fremdes und Überraschendes aus Natur und Kunst fanden sich hier Seite an Seite. Sie zeigten die Welt in ihrer Vielfalt, oft ohne klare Ordnung, aber mit dem Anspruch, Neugier zu wecken und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Gleichzeitig repräsentierten sie den Reichtum und die politische Macht ihrer Besitzer.
Im 18. Jahrhundert wurde dieses Sammeln neu gedacht. Im Sinne der Aufklärung wurde Wissen jetzt nicht nur bewahrt, sondern auch geordnet, systematisiert und öffentlich zugänglich gemacht. Erkenntnis sollte überprüfbar sein, Diskussion sollten öffentlich stattfinden und mündige Menschen die Welt mit eigenen Sinnen und eigenem Verstand erfassen können. Die fürstliche Wunderkammer wurde zum Museum, das auch breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich war.
Die Ausstellung „Was ist Aufklärung? Fragen an das 18. Jahrhundert“ (18.10.2024–6.4.2025) im Deutschen Historischen Museum beleuchtete diese Epoche aus verschiedenen Blickwinkeln anhand von Objekten, Dokumenten, Büchern und Bildern. Das „Digitale Museum der Aufklärung” stellt ausgewählte Objekte der Ausstellung vor und bringt sie mit kreativen Produkten in Verbindung.
Anders als die streng systematisierenden Sammlungen des 18. Jahrhunderts ermöglicht das „Digitale Museum der Aufklärung”, selbstständig neue Verbindungen, Perspektiven und Querverweise zu erstellen und zu entdecken. Die Objekte sind thematisch gruppiert und zugleich vielfach miteinander verknüpft. So entsteht ein offenes Geflecht von Informationen zu den Themen „Die Suche nach Wissen“, „Kindheit und Erziehung“, „Menschenrechte und Gleichheit“, „Absolutismus und Revolution“ und „Merkantilismus und koloniale Herrschaft“.
Die Auswahl der Objekte und die Fragestellungen resultieren aus der Bildungs- und Vermittlungsarbeit, die während der Ausstellungslaufzeit angeboten wurde. Im Zentrum stand das von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Outreach-Projekt „Aufklärung NOW. Junge Perspektiven auf die Aufklärung“, das nach der Aktualität und Relevanz der Aufklärung für das 21. Jahrhundert fragte. Ziel des Projektes war es, das Museum zu öffnen und weiter zu demokratisieren, indem die Teilnehmenden zum Mitmachen und Mitgestalten eingeladen wurden.
Die kreativen Themen der Teilnehmenden waren Ausgangspunkt für die Fragen und Themen des „Digitalen Museums der Aufklärung”. Dieses nachhaltige Bildungsangebot dokumentiert die Ergebnisse des Outreach-Projekts, macht Materialien zugänglich und lädt zur weiteren Nutzung in historischer und politischer Bildungsarbeit, in Schulen, Hochschulen und außerschulischen Kontexten ein. Im Zentrum steht die eigenständige Auseinandersetzung: Fragen, Vergleichen, Verknüpfen und Weiterdenken. Zahlreiche Links führen zu vertiefenden Informationen und weiterführenden Materialien des Deutschen Historischen Museums sowie anderer Kultureinrichtungen, digitaler Bibliotheken und Online-Datenbanken. Das „Digitale Museum der Aufklärung” ist kein abgeschlossenes System, sondern lädt zum Entdecken und Weiterdenken an.