Geschichte der Sammlung

Die Sammlung hat vielfältige Wurzeln und erfuhr im Wandel der Zeit und der politischen Systeme wechselnde institutionelle Zugehörigkeiten. Ihre Geschichte steht in engstem Zusammenhang mit der Ausbreitung der Agrarwissenschaften seit dem frühen 19. Jahrhundert und lässt sich charakterisieren als enge Verflechtung von Anschauung, Lehre und Museum.

Mit der Verwissenschaftlichung der Agrarkunde ging die Bildung von Lehr- und Anschauungssammlungen einher. Der große Pionier der Agrarwissenschaften, Albrecht Daniel Thaer (1752-1828) hatte in Möglin im Oderbruch 1806 die wegweisende „Königliche Preußische Akademische Lehranstalt des Landbaus“ gegründet. Für die Ausbildung der Studenten wurde eine Sammlung aufgebaut. Als die Lehranstalt 1861 schließen musste, floss diese Sammlung in das neu gegründete Landwirtschaftliche Lehrinstitut der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (der späteren Humboldt-Universität zu Berlin) ein. Einige Modelle der vorhandenen Sammlung dürften auf diese Ursprünge zurückgehen.

Der Aufschwung der Agrarwissenschaften führte zur Gründung des Königlichen Landwirthschaftlichen Museums zu Berlin. Dessen Aufgabe war es, „dem grösseren Kreise der Besucher in anschaulicher Weise das Wissenswertheste aus den verschiedenen Zweigen der Landwirthschaft vor(zu)führen“ (Allgemeiner Katalog des Königlichen Landwirthschaftlichen Museums zu Berlin, Berlin 1873).

Zur Sammlungsstrategie des Museums formulierte sein Kustos Dr. L. Wittmack bereits 1873, dass „das Museum es sich hat angelegen lassen, möglichst viele Modelle von älteren typischen Maschinen zu erwerben, um nach und nach die Geschichte des landwirthschaftlichen Maschinenwesens in allen Zweigen möglichst so vollständig illustriren zu können“ (ebd.). Auf diesen Kontext geht ein Teil der Objekte der vorliegenden Sammlung zurück.

Die Sammlungen des Königlichen Landwirthschaftlichen Museums wurden seit der Gründung der Königlichen Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin im Jahre 1881 in dessen Museum überführt. Die Landwirtschaftliche Hochschule selbst wurde 1934 als Landwirtschaftliche Fakultät der späteren Humboldt-Universität zu Berlin angegliedert (heute Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der HUB).

Das 1902 hier gegründete Institut für Landmaschinen (Maschinentechnisches Institut) betrieb seit Mitte der 1920er Jahre in Berlin-Dahlem und dann in Potsdam-Bornim Feldversuche mit landwirtschaftlichen Maschinen. Auch durch die im Rahmen dieser Versuche von den Herstellern mitgereichten Produktbeschreibungen und Werbeprospekte wuchs die Sammlung der Firmenschriften kontinuierlich an.

Das Königliche Landwirtschaftliche Museum bestand wahrscheinlich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, obwohl es bereits in einem 1936 erschienenen Museumsführer keine Erwähnung mehr fand. Ein Teil der Sammlungen fand Eingang in die Bestände des Museums für Deutsche Geschichte: In den 1960er Jahren wurden Firmenschriften, rund 160 Modelle und einzelne Maschinen und Geräte vom Institut für landwirtschaftliches Maschinen- und Bauwesen der Humboldt-Universität zu Berlin an das Museum für Deutsche Geschichte durch Verkauf übereignet. Seit 1990 bilden sie eine Teilsammlung im Bereich Alltagskultur I des Deutschen Historischen Museums.