Urkunde von Winrich von Kniprode Hochmeister des Deutschen Ordens über die Belehnung des Herrn von Merimen mit dem Gut Powersen (Ausschnitt), 18. Februar 1374, © Deutsches Historisches Museum

Die Sammlung

Historische Primärquellen und Dokumente vom Frühen Mittelalter bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges (9. Jh. bis 1914)

Zu den zentralen Inhalten der Sammlung gehören bedeutende Edikte und Mandate, Verordnungen und Privilegien der römisch-deutschen Kaiser, der preußischen Könige sowie der sächsischen Kurfürsten und Könige ab dem 15. Jahrhundert. Sie werden ergänzt durch Erlasse ausländischer Monarchen und Fürsten aus ganz Europa (u. a. Elisabeth I. von England, Napoléon I. und Napoléon III., Zar Alexander I. von Russland). Das 18. und 19. Jahrhundert ist darüber hinaus mit einer großen Anzahl an obrigkeitlichen und amtlichen Verordnungen vertreten, welche die zunehmende Bürokratisierung der Rechts- und Herrschaftsausübung widerspiegeln.

Die historisch gewachsenen engen Bezüge zwischen Deutschland und Frankreich lassen sich vor allem an Dokumenten aus der Napoleonischen Besatzungszeit, aus der Zeit der Französischen Revolution, des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 sowie an den politischen Korrespondenzen beider Länder nachweisen. Folgende Schriftstücke möchten wir hier nennen: Instruktion und Reglement von Friedrich II., König von Preußen, für die Salzinspektoren im Herzogtum Magdeburg, im Fürstentum Halberstadt sowie in den Grafschaften Mansfeld und Lahnstein und ein Schreiben von Kaiser Napoléon I. Bonaparte mit eigenhändiger Unterschrift („Np“) an seinen Adoptivsohn Eugène de Beauharnais über die Stationierung französischer Truppen in Südtirol.

Der Bestand an topographischen und geographischen Karten des späten 15. bis 19. Jahrhunderts ist außergewöhnlich. Er stammt aus MfDG-Erwerbungen (bis 1990) und aus Ankäufen und Schenkungen des Deutschen Historischen Museums. Zu den ältesten Objekten zählen Karten aus Hartmann Schedels Weltchronik von 1493, Martin Waldseemüllers "Geographia des Ptolemäus" sowie Sebastian Münsters "Cosmographey".

Von besonderer Bedeutung ist die umfangreiche Kartensammlung aus dem ehemaligen Besitz der Reichsfürsten von Oettingen-Wallerstein (1.601 Einzelkarten), die 2002 vom Deutschen Historischen Museum angekauft wurde. Sie umfasst Werke deutscher, niederländischer und französischer Kartographen des 16.–18. Jahrhunderts, darunter Gerhard Mercator d. Ä. (1512–1594), Willem Jansz (Janszoon) Blaeu (1571–1638), Jan Jansson (1588-1664), Nicolas Sanson (1600–1667), Frederik de Wit (1610-1698), Johann Baptist Homann (1664-1724), Jean-Baptiste Bourguignon d’Anville (1697–1782) und Jacques Nicolas Bellin (1703–1772). Als Beispiel sehen Sie hier die Karte des Heiligen Römischen Reiches von Nicolas Sanson, entstanden um 1670.

Als Zeugnisse der publizistischen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte in europäischen Bezügen verwahrt die Sammlung Einblattkarikaturen – vorwiegend aus Deutschland, Österreich, Frankreich und England - sowie eine Kollektion von Flugschriften und Flugblättern zur Französischen Revolution von 1789 und zur Revolution von 1848. 2002 wurde der Bestand an Streitschriften um die Kollektion von 69 seltenen Pamphleten zur französischen Fronde (1649-1656) aus dem ehemaligen Besitz des Privatsammlers Alexander Dolezalek erweitert.

Die gesammelten Einzelnummern von politischen und satirischen Zeitschriften mit Karikaturen stammen meist aus Nachlässen und sind in ihren ursprünglichen Überlieferungszusammenhängen belassen (Periodika werden in der Bibliothek des Deutschen Historischen Museums gesammelt). Darunter auch die Karikatur auf die Reformen Josephs II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, in den Österreichischen Niederlanden, entstanden um 1785.

In der Sammlung Dokumente finden sich neben politischen Korrespondenzen auch Privatbriefe, die aus individueller Perspektive Aufschlüsse über die großen Ereignisse der Geschichte geben.

Herausragende Dokumente der Alltagskultur sind Tagebücher, die persönliche Eindrücke und Stimmungen, aber auch kriegerische und politische Ereignisse widerspiegeln. Die Sammlung bewahrt u. a. Tagebücher aus der Zeit der Napoleonischen Kriege und der Befreiungskriege (1805–1815), des Preußisch-Österreichischen Krieges von 1866 sowie des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 auf, die kontinuierlich wissenschaftlich erschlossen und für Ausstellungszwecke aufbereitet werden. Z.B. die Tagebuchnotizen des Soldaten Detlev von Schulzen aus der Zeit der Napoleonischen Kriege, geschrieben von 1805 bis 1812.

Der spezielle Sammlungsbereich der Stammbücher, die zum Teil aufwändig mit kolorierten Handzeichnungen und Stichen ausgestaltet sind, gibt einen Einblick in die wachsende Bedeutung bürgerlicher Erinnerungskultur im 18. und 19. Jahrhundert. Zu sehen im Stammbuch des Thomas Christoph Mohrhardt mit Aquarellen, Kupferstichen und Federzeichnungen aus den Jahren 1770 bis 1810.

Dokumente ab 1914

Die Sammlung Dokumente ab 1914 bewahrt Dokumente, die seit dem 1. August 1914 entstanden sind. Sie verfügt über eine große Spannbreite unterschiedlichster Dokumentengattungen.

Den größten Anteil an der Sammlung haben Druckschriften aller Art, dazu gehören Periodika, Flugschriften, Broschüren und Maueranschläge, aber auch Raritäten wie Zeitungen aus Kriegsgefangenenlagern.

Die umfangreiche Periodika-Sammlung ist von beträchtlichem zeitgeschichtlichem Wert, sie umfasst circa 6 000 Titel mit rund 30 000 Exemplaren. In großer Dichte sind u.a. die "Arbeiter Illustrierte Zeitung", einschließlich zahlreicher Exilausgaben, sowie die Satirezeitschriften "Simplicissimus" und "Kladderadatsch" überliefert.

Zudem gibt es einen umfangreichen Bestand an Urkunden bzw. urkundenartigen Dokumenten, so etwa persönliche Dokumente wie Ausweise, Zeugnisse, amtliche Bescheinigungen oder Ehrenurkunden.
Einen wertvollen Schwerpunkt der Sammlung bilden Autographen, Handschriften wie Briefe und Tagebücher. Akten bzw. aktenartige Dokumente, Marken, Kalender, Druckgrafiken, Werbeprospekte, Landkarten und Wandkarten, aber auch Dokumentationen wie Sammelalben, Fotoalben oder Pressemappen ergänzen die Sammlung. Zahlreiche Dokumente sind Teil von Konvoluten, die Einzelpersonen oder Institutionen dem DHM überlassen haben, viele gelangten als Nachlässe in die Sammlung.

Die Sammlung ist nach den verschiedenen Zeitabschnitten der jüngeren Geschichte untergliedert. Die einzelnen Sammlungsbereiche ordnen sich nach den Themen Erster Weltkrieg, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit von 1945 bis 1949, Bundesrepublik Deutschland und DDR von 1949 bis 1990 und schließlich wiedervereintes Deutschland seit 1990.

Etwa die Hälfte der Sammlung wurde vom ehemaligen Museum für Deutsche Geschichte der DDR zusammen getragen und hat einen eher dokumentarischen Charakter. Da die Geschichte der kommunistischen Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik sowie des Aufbaus eines sozialistischen Staates in der DDR Sammlungsschwerpunkte des MfDG darstellten, sind diese Themen in der Sammlung besonders ausführlich dokumentiert.

Die vom DHM zusammengetragenen Dokumente wurden und werden stärker unter dem Aspekt ihrer Nutzbarkeit für Ausstellungen ausgewählt.

In der Sammlung Dokumente nach 1914 ragen einige Spezialsammlungen durch ihre Komplexität oder Exklusivität heraus. Dazu gehören unter anderem

- ein Konvolut von etwa 2 250 Briefen eines Stabsoffiziers aus dem Ersten Weltkrieg und dessen Frau über den Kriegsalltag an der Westfront und in der Heimat, die in einer Soldatenkiste überliefert wurden- eine Sammlung von Abwurfschriften der Alliierten und vom Nationalkomitee Freies Deutschland aus dem Zweiten Weltkrieg
- Teile des Archivs des Verbandes der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen
- eine Briefsammlung der amerikanischen Hilfsorganisation Quäker, die ihre Unterstützung bedürftiger Deutscher in der Nachkriegszeit widerspiegelt
- der Nachlass des Fotografen Henry Ries mit zeithistorischen Zeugnissen aus dem geteilten Berlin
- rund 350 Transparente von der Demonstration am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz.

Über 900 Dokumente der Sammlung sind derzeit als Exponate in der Dauerausstellung im Zeughaus des Deutschen Historischen Museums zu sehen.

Trotz der immensen Fülle an Material so unterschiedlicher Provenienz suchen wir für die Sammlung und für zukünftige Ausstellungen beständig weiter nach Dokumenten zu relevanten Themen, die wir bislang noch nicht zufriedenstellend repräsentieren können. So wäre es wünschenswert, den Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie die nationalsozialistische Verfolgung insbesondere aus der Perspektive der Verfolgten noch breiter gefächert dokumentieren zu können.

Da das Museum für deutsche Geschichte der DDR konform zu Staatsdoktrin und offiziell verordnetem Geschichtsbild sammelte, sind die Bestände zu Opposition und Widerstand, Flucht und Unterdrückung in der DDR noch rar und sollen ebenfalls zukünftig erweitert werden.

Auch die Geschichte der westlichen Besatzungszonen und der Bundesrepublik ist noch lückenhaft und muss – in Ergänzung zum Bonner Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland - hier in Berlin vervollständigt werden.

Durch den Erwerb ereignis- oder personenbezogener Dokumente mit großer historischer Aussagekraft oder einem besonderen Ausstellungswert soll die Qualität der Sammlung fortschreitend erhöht werden.