Halbaugustalis

Die Sammlung

Die Sammlung der Münzen, Marken und Zeichen (ca. 7.500 Objekte) dokumentiert in Auswahl die wichtigsten Stationen deutscher und europäischer Geldgeschichte von den römischen Münzprägungen im Rheingebiet bis zum heutigen Geldwesen. Ziel des Sammlungsaufbaus ist es, die Leitlinien der Entwicklung mit signifikanten Objekten zu belegen.

Vor allem das Kleingeld des täglichen Gebrauchs findet sich in der Sammlung und zeigt die regionale Zersplitterung des deutschen Münzwesens bis zur Herstellung der Münzeinheit durch die Reichsmünzgesetzgebung 1871 bis 1876. Obwohl das Spektrum von den mittelalterlichen Pfennigprägungen, Denaren und Brakteaten, über Talermünzen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert reicht, sind noch zahlreiche Lücken bei den Leitmünzen der einzelnen geldgeschichtlichen Epochen zu schließen.

Viele Münzsonderformen sind mit größeren Reihen vertreten, zum Beispiel Not- und Belagerungsmünzen des 16. bis 19. Jahrhunderts, Kriegs- und Gefangenenlagergeld und Notgeld der Inflationszeit. Als größter Komplex befindet sich im Bestand von mehr als 700 Rechenpfennigen eine Partie Historienpfennige aus der Zeit des 80jährigen Befreiungskampfes der niederländischen Provinzen gegen die spanische Herrschaft im 16. und 17. Jahrhundert. Als Beleg für die schatzfundreichste Zeit in der deutschen Geschichte, den 30-jährigen Krieg, besitzt das DHM den 1956 gehobenen Münzschatz von Kornöd/Niederbayern, der 1640 vergraben wurde.

Einen Schwerpunkt der numismatischen Sammeltätigkeit des DHM bilden Medaillen und Plaketten, die nahezu jedes kulturelle und geschichtliche Alltagsereignis thematisieren. Das Spektrum der ca. 7.000 Objekte reicht von den kunstvollen Bildnismedaillen fürstlicher und bürgerlicher Repräsentation bis zur Volksmedaille, die historisch denkwürdige Ereignisse in einfacher Ausführung dokumentiert.

Werke berühmter Medailleure (Dadler, Müller, Höhn, Vestner, David d'Angers, Posch, Pfeuffer, Kullrich) stehen neben Erzeugnissen wenig prominenter Kunsthandwerker. Ein Drittel der deutschen Medaillen der Sammlung datieren vor 1945.

Das DHM besitzt umfangreiche Medaillenbestände zur Geschichte der Arbeiterbewegung im 19. und 20. Jahrhundert, darunter auch die 1981 vom MfDG erworbene Sammlung des Brauereibesitzers Georg Staudigel (Krefeld) die 1979 an der Ruhr-Universität Bochum ausgestellt war. 3.700 DDR-Medaillen sind vorhanden und schließen Kunstmedaillen ebenso ein wie inflationäre Massenproduktionen, die zu den verschiedensten Anlässen von Parteien, politischen Organisationen, Militär und Paramilitär, Städten und Gemeinden herausgegeben wurden. Diese Objektgruppe bietet vielfach Gelegenheit zum Studium der politischen Ikonographie der DDR.

Darüber hinaus besitzt das DHM etwa 1.000 ausländische Medaillen und Plaketten, darunter 450 russische und sowjetische Erzeugnisse, was auf die Sammlungskonzeption des MfDG ebenso zurückzuführen ist wie der größere Komplex von 160 französischen Medaillen zu den Revolutionen von 1789, 1830, 1848 und 1870.

Den zahlenmäßig größten Anteil an der numismatischen Sammlung des DHM stellen Geldscheine (ca. 60.000 Stücke). Es überwiegen Inflationsausgaben 1922/1923 sowohl der Reichsbank als auch die einzelner deutscher Länder, Städte und Gemeinden, sowie Privatausgaben zahlreicher Unternehmen. Besondere Bestandsgruppen bilden Assignaten der französischen Revolution, Geldscheine für die Offiziers- und Mannschaftsgefangenenlager im Ersten Weltkrieg, Prämienscheine der Konzentrationslager bis 1945, das Strafvollzugsgeld der DDR und das Geld für die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der DDR (LPG), die sich in den 1960er Jahren besonderer Prämiengeldscheine bedienten.Ferner werden Banknoten gesammelt, die zu Werbe- und Propagandazwecken, vornehmlich in der Weimarer Republik, verwendet wurden. Größere Lücken weist die Sammlung noch bei klassischen Banknoten bis 1890 auf und auch die Inflationsscheine mit Billionenwerten sind nur vereinzelt vorhanden.

Seit 2007 wird die gemeinnützige Stiftung für historische, deutschsprachige Aktien der Familie Walter Martius und ab 2011 als Dauerleihgabe die Sammlung historischer Aktien Walter Martius am DHM in der numismatischen Sammlung betreut. Walter Martius, einer der letzten Nachfahren des Industriellen August von Borsig und selbst der deutschen Wirtschaft eng verbunden, baute in jahrzehntelanger Sammeltätigkeit eine der größten Privatsammlungen historischer Wertpapiere deutschsprachiger Unternehmen auf, die 200 Jahre Wirtschaftsleistung bis zur Gegenwart dokumentiert. Zusammen mit dem im DHM vorhandenen Eigenbestand beläuft sich die Kollektion derzeit auf mehr als 23.000 Historische Wertpapiere. Exponate aus dieser Sammlung wurden 2008 in der DHM-Ausstellung "Gründerzeit 1848–1871, Industrie und Lebensträume zwischen Vormärz und Kaiserreich" gezeigt.