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In sogenannten Xylotheken besteht jedes „Buch“ aus dem Holz einer bestimmten Baumart. Samen, Früchte und Blätter, die zur Bestimmung notwendig sind, finden sich im Innern kunstvoll angeordnet. Als botanische Schauobjekte wurden diese Holzbibliotheken in Naturalienkabinetten präsentiert. Der Kasseler Autodidakt Carl Schildbach schuf zwischen 1780 und 1800 eine Xylothek mit über 500 Bänden, die sich vor allem der heimischen Flora widmete; Arten aus anderen Regionen bildeten die Ausnahme.

Xylotheken spiegeln die Begeisterung für das neue Ordnungssystem des schwedischen Botanikers Carl von Linné wider. Er entwickelte im 18. Jahrhundert eine Klassifikation von Pflanzen, Tieren und Mineralien und führte die bis heute gültige binäre Nomenklatur aus lateinischen Gattungs- und Artnamen ein. Der Name Sambucus racemosa verweist auf die Gattung Holunder (Sambucus) und die spezifische Art racemosa. Sammler und Gelehrte in ganz Europa richteten ihre Kabinette nach dieser neuen Systematik aus und ließen sich botanische Exemplare aus aller Welt zusenden.

Die Ordnung der Natur hatte auch Kehrseiten. Bestehende, teils indigene Ordnungssysteme sowie Bezeichnungen wurden von den neuen Taxonomien verdrängt oder für minderwertig erklärt. In seinem Werk Systema naturae (1735) klassifizierte Linné auch Menschen nach Kontinenten und Hautfarben und trug so zur biologischen Hierarchisierung von Ethnien bei. Solche Verbindungen von Naturforschung und Ausgrenzung werfen einen dunklen Schatten auf die Wissenschaftsgeschichte der Aufklärung, die bis zu Formen des wissenschaftlichen Rassismus reichen.

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