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Das Puppenkleid mit sogenannten Gängelbändern verweist auf Erziehungspraktiken, von denen sich Aufklärungsbefürworter im 18. Jahrhundert zunehmend distanzierten. Gängelbänder – an den rückwärtigen Armansätzen befestigte Stoffstreifen – wurden Kleinkindern angelegt, um das aufrechte Gehen zu fördern und ihren Bewegungsradius zu kontrollieren. Besonders verbreitet waren sie beim Adel und in wohlhabenden bürgerlichen Haushalten des frühen 18. Jahrhunderts. 

Die aufklärerische Kritik an dieser Form körperlicher Bevormundung übertrug Immanuel Kant auf die geistige Ebene. In seinem Aufsatz „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ verwendete er das „Leitband“ als Metapher für unselbstständiges Denken, das dem „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ im Wege stehe. Entsprechend lehnten viele Aufklärer Gängelbänder als überfürsorglich ab. 

Die Aufklärung verstand sich auch als pädagogisches Projekt. Fragen nach der menschlichen Natur, der moralischen Entwicklung und der richtigen Erziehung standen im Zentrum zeitgenössischer Debatten. Maßgeblich geprägt wurden sie durch Jean-Jacques Rousseaus Erziehungsroman Émile ou De l'éducation (Emile oder Über die Erziehung) von 1762. Die Vorstellung eines Kindes, das naturnah aufwächst und sich fernab von städtischem Leben und gesellschaftlichen Zwängen frei entfalten kann, trug dazu bei, Kindheit erstmals als eigenständige und schützenswerte Lebensphase zu begreifen.

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