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Der Kupferstich zeigt die Aufteilung Polens-Litauens unter der russischen Zarin Katharina II., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Joseph II. und dem König von Preußen Friedrich II. Auf der übergroßen Landkarte vor ihnen sind die im Jahr 1772 annektierten Gebiete bereits markiert, während die Herrschenden mit ausgestreckten Zeigefingern auf ihre jeweiligen Anspruchsgebiete deuten. In der Bildmitte ist der polnische König Stanisław II. August Poniatowski zu sehen. Er zeigt auf den Teil des Landes, der unter seiner Herrschaft blieb und weist mit der rechten Hand auf die Banner, die die Rechte der Teilungsmächte verkünden. Somit wird die Teilung Polens hier als von allen Beteiligten anerkannter Akt der Vernunft dargestellt. Die Annexionen polnischer Gebiete rechtfertigten die hier abgebildeten „aufgeklärten“ absolutistischen Herrschenden als „zivilisatorische Mission“, gestützt auf aufklärerische Theorien, die Nationen nach angeblichen Entwicklungsstufen hierarchisierten. Ganz anders in einer zeitgenössischen Karikatur mit dem Titel Le gâteau des rois (Königskuchen). Darin wird die Szene satirisch umgedeutet: Der polnische König muss seine Krone festhalten, um der imperialen Gier der Teilungsmächte zu entkommen.

Seit der Frühaufklärung stellten politische Denker wie der Engländer John Locke und der Franzose Montesquieu das göttliche Herrschaftsrecht infrage. Sie forderten Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und die Bindung monarchischer Macht an Gesetze. Dennoch hielten viele Aufklärer an der Monarchie fest – in der Hoffnung, vernunftbasierte Reformen „von oben“ durchzusetzen.

In der Tat zeigten sich einige „aufgeklärte Monarchen“ reformbereit. Friedrich II. etwa genoss den Ruf eines „Philosophenkönigs“, den ihm vor allem seine Freundschaft zu Voltaire einbrachte. Schon als Kronprinz korrespondierte er mit dem französischen Dichter, der 1739 von Friedrichs Schrift Anti-Machiavel – einem Tugendkatalog für den aufgeklärten Idealmonarchen – begeistert war und für die Drucklegung sorgte. Joseph II. versuchte in seinen zehn Jahren als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs zahlreiche säkularisierende und modernisierende Reformen durchzusetzen, die im Adel auf heftigen Widerstand stießen, während Katharina II., Zarin des russischen Reichs, angekündigte Reformen aus ihrem Werk Große Instruktion (1767) selten in die Tat umsetzen ließ. 

Während einzelne Philosophes wie Voltaire und einige Autoren der Encyclopédie das Bild eines „barbarischen“ oder „rückständigen“ Polens propagierten, wurde unter der Regentschaft von Stanisław II. am 3. Mai 1791 in der parlamentarischen Versammlung von Polen-Litauen die erste aufgeklärte Verfassung Europas verabschiedet.

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